Alles im Fluss

So lässt sich der monatliche Zyklus mit Āyurveda harmonisieren

Autorin: Dr. med. Hedwig H. Gupta

Die Menstruation ist im Leben einer Frau ein wesentliches und regelmäßig wiederkehrendes Ereignis. Wenn es dabei zu Beschwerden kommt, empfiehlt die konventionelle Medizin in vielen Fällen eine Hormontherapie. Dass es dazu eine Alternative gibt, zeigt Dr. Hedwig H. Gupta anhand des āyurvedischen Verständnisses des Monatszyklus, dessen Phasen und der Therapieempfehlungen bei Störungen.

Die Menstruation ist ein monatliches Ereignis, das jede Frau, solange sie davon betroffen ist, beschäftigt. Sie dient der Reinigung der Gebärmutter und sorgt dafür, dass vor einer möglichen Empfängnis die Schleimhaut immer frisch und leistungsfähig ist. Damit ist sie ein Zeichen der fruchtbaren Periode der Frau. Die Menstruation wird komplex gesteuert. Nur wenn das gesamte System harmonisch funktioniert, kommt es zu einem leichten und schmerzlosen Abbluten der alten Schleimhaut und einem gesunden Aufbau der neuen.

Viele Frauen haben mit Beschwerden während der Menstruation zu kämpfen. Diese können darin liegen, dass die Periodenblutung schmerzhaft ist. Sie können aber auch durch Störungen der Frequenz (zu oft, zu selten oder unregelmäßig), Störungen der Menge (zu viel oder zu wenig) oder Störungen der Länge der Blutungszeit (zu kurz oder zu lang) hervorgerufen werden. Ist eine Menstruation nicht verlässlich, verliert eine Frau durch die Blutung viel Kraft und Substanz, dann kann sich die monatliche Wiederholung des Ereignisses zu einer Qual auswachsen, welche die Lebenskraft und -freude der betreffenden Frau deutlich reduziert.

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Die konventionelle Medizin erklärt die monatliche Rhythmik als ein komplexes Zusammenspiel von verschiedenen Hormonen. Dementsprechend basieren die therapeutischen Ansätze oft auf der Beeinflussung der hormonellen Balance. Einige Frauen vertragen diesen direkten Eingriff in das Endokrinium nicht gut und leiden an Nebenwirkungen. Diese wünschen sich einen anderen Ansatz für ein Verständnis der Vorgänge und für eine sanfte Therapie.

In diesem Artikel werden das āyurvedische Verständnis der Monatsrhythmik und deren Störungen vorgestellt und āyurvedische Therapieansätze und Selbsthilfemöglichkeiten diskutiert.

Grundprinzipien des Āyurveda

Der Āyurveda ist eines der ältesten Medizinsysteme der Welt, das naturphilosophische Grundlagen hat. Er hat seine Stärke in der Beschreibung der energetischen Prozesse und der Erkenntnis von deren Einfluss auf körperliche, geistige und emotionale Funktionen.

Im Āyurveda wird beschrieben, wie drei kybernetische Kräfte, doṣas genannt, die Prozesse im Menschen regeln.

  • Vāta ist verantwortlich für Bewegung, Impulsgabe, Taktung und Kontrolle.
  • Pitta ist zuständig für Umwandlung.
  • Kapha sorgt für Masse und Stabilität.

Doṣas kann man an ihren Eigenschaften erkennen:

  • Vāta, der doṣa, der Bewegung initiiert, wird beschrieben als trocken, kalt, leicht, subtil, beweglich und rau.
  • Pitta erkennt man an Eigenschaften wie feucht, heiß, durchdringend, dünnflüssig, sauer, beweglich und scharf.
  • Kaphas Attribute sind dagegen kalt, weich, schleimig, fettig, süß, unbeweglich und schwer.

Diese Eigenschaften sind aus āyurvedischer Sicht nicht nur hilfreich, um doṣas zu erkennen. Sie sind auch die Basis des āyurvedischen Verständnisses von Krankheitsverursachung und therapeutischem Vorgehen. Die Eigenschaften, die denen eines doṣas entsprechen, lassen diesen doṣa zunehmen. Die entgegengesetzten Eigenschaften sorgen für eine Abnahme des doṣas. Zum Beispiel kann man der Trockenheit und Kälte von vāta Feuchtigkeit und Wärme entgegensetzen. Da die Eigenschaften der doṣas immer teilweise gegensätzlich sind, werden bei der Zunahme eines doṣas gleichzeitig die anderen weniger stimuliert. Wärme würde zum Beispiel pitta stärken und damit zunehmen lassen, aber vāta und kapha verringern. Kälte würde die doṣas andersherum beeinflussen. Feuchtigkeit würde kapha zunehmen lassen, leicht auch pitta, aber vāta vermindern. Trockenheit hingegen reduziert kapha, berührt pitta weniger ausgeprägt, aber steigert vāta.

»Der Āyurveda ist eines der ältesten Medizinsysteme der Welt, das naturphilosophische Grundlagen hat.«

Dabei ist es im Āyurveda unwichtig, ob die Eigenschaften von materiellen Substanzen wie Ernährung ausgehen oder ob sie geistig oder emotional wirken. Trockenheit und Instabilität beispielsweise sind auch dann vorhanden, wenn jemand in einer Beziehung »austrocknet«, der Job als instabil angesehen wird oder ein Mensch plötzlich einen wichtigen Partner im Leben verloren hat. Aus welchem Grund auch immer. Auch Angst und Sorgen führen zum Austrocknen und zur Instabilität. Damit verstärken alle diese Beispiele vāta. Kapha würde auf emotional-geistiger Ebene durch Langeweile und Festgefahrenheit vermehrt werden. Pitta würde durch Wut, Ärger, übermäßig hohe Zielstrebigkeit und scharfes Denken sowie ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl und Gerechtigkeitsbewusstsein genährt werden. 

»So mündet die zunächst energetische Veränderung in einer Erkrankung, die sich tief in den Geweben festsetzen kann.«

Nimmt ein doṣa übermäßig zu, wird die Harmonie der drei doṣas gestört und die Prozesse im Individuum verlaufen disharmonisch. Auf die Dauer führt diese Funktionsstörung zu einer Erkrankung der Strukturen. So mündet die zunächst energetische Veränderung in einer Erkrankung, die sich tief in den Geweben festsetzen kann.

Die Gewebe gehen aus āyurvedischer Sicht in ihrem Aufbau auseinander hervor. Aus der Nahrung wird primär das erste Gewebe, Plasma, hergestellt. Daraus entwickelt sich das rote Blut, daraus das Fleisch und rote Organe. Im weiteren Verlauf entsteht das Fett und weiches Bindegewebe. Das verhärtet sich zu hartem Bindegewebe und Knochen. Im Inneren des Knochens entsteht das Mark, das die großen Knochen füllt, und am Ende der Aufbaukette entsteht das Gewebe, das die Kreation der nächsten Generation ermöglicht, das progenetische Gewebe.

Sind die doṣas gestört, werden die Verdauungsfeuer, agnis, die für einen sauberen Stoffwechsel zuständig sind, nicht korrekt reguliert und können so die Gewebe nicht harmonisch aufbauen. Es kann zur Bildung von pathologischen Stoffwechselprodukten, dem āma, kommen. Dies ist wiederum reizend, schwer, sauer, klebrig und fadenziehend. Setzen sich die doṣas mit āma in den Kanälchen der Gewebe fest, verkleben diese. An dieser Stelle kommt es zu entzündlichen Reaktionen.

Ist eine Erkrankung entweder ausgeprägt oder dauert sie lange an, wird zudem das Immunsystem des Individuums geschwächt. Das Immunsystem, das ojas, nimmt ab und kann den pathologischen Faktor nicht mehr wegpuffern. Dann beginnt sich die Spirale der Erkrankung schneller zu drehen.

Die Entstehung von Erkrankungen und therapeutische Grundprinzipien des Āyurveda

Die gleichen Eigenschaften wie die des doṣas führen zu einer Zunahme dieser Eigenschaften des doṣas im System. Wie oben beschrieben, können die Eigenschaften in allem liegen, zum Beispiel in der Ernährung, im Tagesablauf, im Wetter, in den Denkmustern oder der Emotionalität. Die Zunahme eines doṣas kann diesen so reizen, dass damit der Anstoß für die Entstehung einer Krankheit gesetzt ist. Krankheiten werden also aus āyurvedischer Sicht durch das Zusammenkommen von stärkeren und weniger starken Impulsen aus dem Alltag hervorgerufen, die in ihren Eigenschaften dem jeweiligen doṣa entsprechen.

»Diese gezielte Nutzung von Eigenschaften im Alltag ist für jeden frei verfügbar.«

Therapeutisch wird das Ganze durch alle Aspekte des Alltags angegangen, die dem entgegenwirken. Das Weglassen der auslösenden Faktoren ist manchmal genug, um dem doṣas-System zu ermöglichen, sich wieder in ein gesundes Gleichgewicht einzupendeln. Wenn das allein nicht ausreicht, sollte alles eingesetzt werden, was in seinen Eigenschaften dem gereizten doṣa entgegengesetzt ist. Dies kann den Tagesablauf, die Charakteristika der Ernährung oder die Kleidung betreffen, aber auch die Denkmuster und die emotional-sinnliche Verarbeitung. Diese gezielte Nutzung von Eigenschaften im Alltag ist für jeden frei verfügbar. Dies kann jeder Mensch eigenverantwortlich umsetzen und stellt den ersten Schritt der Therapie im Āyurveda dar.

Nur, wenn das nicht ausreicht und die Störung sehr hartnäckig ist, oder auch, wenn jemand nicht in der Lage ist, einzelne negative Einflüsse auf die doṣas zu verhindern, kann die Therapie mit äußerlichen oder innerlichen Behandlungen intensiviert werden. Neigt ein Individuum dazu, bestimmte Störungen immer wieder zu bekommen, könnte man auch daran denken, die doṣas auszuleiten, um der Erkrankung und der Erkrankungsneigung den Boden zu entziehen. Das muss allerdings gründlich vorbereitet werden. Im Anschluss an eine Ausleitungstherapie, dem klassischen pañcakarma, ist es sehr wichtig, dass man die sich dann wieder neu bildenden doṣas gut leitet, damit sich das alte Muster nicht wieder neu entwickelt.

Der Monatszyklus aus āyurvedischer Sicht

Doṣas sind nicht in jedem Individuum zu jedem Zeitpunkt gleich. Da sich jede Aktivität und jede Veränderung im Leben auf die doṣas auswirken, sind diese kontinuierlich zyklischen Verläufen unterworfen. Normalerweise führen diese physiologischen Schwingungen zu leichten Veränderungen der Befindlichkeit, aber nicht gleich zu deutlichen Belastungen. Oft unterstützen die Phasen der Verstärkung von dem einen oder anderen doṣa nicht nur die jeweilige Phase in ihrer Physiologie, sondern auch andere Prozesse. So fördert beispielsweise der Schlaf kapha. Die Nacht ist dementsprechend die Phase, in der Kraft gut aufgebaut werden kann. Wenn man geschwächt ist, kann man auch am Tage schlafen und damit die Kraft noch intensiver aufbauen. Übertreibt man es allerdings, entstehen kapha-artige Eigenschaften wie Schwere und Kälte im Übermaß, und dem Betroffenen wird schlecht und er wird träge, nicht kraftvoll.

Auch die monatliche Rhythmik der Frau wird dementsprechend von verschiedenen doṣas beeinflusst. Zu verschiedenen Zeitpunkten der Periode werden bestimmte doṣas vermehrt gereizt und dann wieder beruhigt. Im Einzelnen sieht das wie folgt aus:

Phasen der Periode

Eine Monatsblutung durchläuft aus āyurvedischer Sicht drei Phasen.

Die drei Phasen der Periode umfassen:

Die Zeit nach Abschluss der Periodenblutung bis zum Eisprung (ṛtukāla)

Diese dauert vom Ende der Blutung bis zum 12.–16. Tag ab dem Beginn der Menstruation. Sie gilt als die fruchtbare Phase. Die Frauen sind jetzt natürlicherweise mehr am anderen Geschlecht interessiert. In dieser Zeit wird kapha immer mehr angesammelt und erreicht mit dem Eisprung die Reizung. Pitta beginnt in der zweiten Hälfte von ṛtukāla mit der Ansammlung, vāta ist beruhigt. Es wird empfohlen, dass sich die Frau in dieser Phase innerlich wie äußerlich rein hält. Bei Kinderwunsch möge sie »in Freude Beischlaf üben«.

Zeit vom Eisprung bis zur Blutung (ṛtuvyatītakāla)

Dies ist die Zeit der Differenzierung und Alterung der Schleimhaut. Sie dauert insgesamt 9 bis 13 Tage und endet mit dem Blutungsbeginn. Pitta vermehrt sich in dieser Zeit und erreicht die Reizung in dieser Phase und beruhigt sich durch die Ausscheidung von Blut in der nächsten Phase wieder. Kapha beruhigt sich im Verlauf dieser Phase weiter, während vāta stetig zunimmt. Im Moment der Reizung von vāta kommt es zur Blutung.

Zeit der Blutung (rajaḥkāla)

Durch die Blutung entsteht eine Beruhigung von pitta und kapha. Vāta bleibt die gesamte Phase über gereizt. Die Blutung dauert 3–7 Tage, zusammen mit ṛtukāla, der ersten Phase, dauert sie etwa 16 Tage. In dieser Phase soll die Frau bei sich sein, »keinen Mann sehen« – traditionell nicht einmal den eigenen Ehemann. Sie sollte sich nicht schmücken, in Ruhe allein essen, nicht weinen, sich weder körperlich anstrengen noch laut sprechen oder lachen. Die Ernährung sollte leicht und fettreduziert sein.

Leider sind diese Dynamik der doṣas und deren Implikationen bis heute vielen Frauen nicht bekannt. Auch können heutzutage die meisten Frauen nicht so leicht ihren Bedürfnissen folgen, die durch die Monatsrhythmik entstehen. Viele Frauen sind in der Schule, der Ausbildung oder im Job mit Familie, Freunden und Hobbys viel zu sehr eingespannt, als dass sie den Phasen der Monatsrhythmik Bedeutung geben würden.

Versteht man jedoch die Energetik der jeweiligen Phase, kann man auch in der modernen Welt kleine Anpassungen in den Alltag bringen, um dem System Stabilität zu geben. In der kapha-Phase nach der Periode kann die Frau gut Kraft aufbauen. Nutzt sie diese Phase vor dem Eisprung, indem sie ein leichtes körperliches Training beginnt und kräftigende Nahrung zu sich nimmt, so kann das ihr System in dieser Phase besser stärken als in anderen Phasen. Braucht eine Frau Kraft, um ein Projekt umzusetzen, steht diese ihr in der kapha-Zeit vermehrt zur Verfügung. Aber jedes zu süß, zu fettig, zu kalt und zu viel in der Ernährung steigert in dieser Phase besonders effektiv das Gewicht. Wem das nicht recht ist, der sollte kräftigend, aber leicht essen.

In der pitta-Phase nach dem Eisprung wird die Frau pitta-artig. Zu viel Konkurrenzdruck und pitta-artige Reize wie Hitze, Schärfe oder Säure führen schneller zu pitta-Erkrankungen, beispielsweise Blutungen oder Entzündungen. In dieser Zeit sollte eine Frau daher darauf achten, immer wieder ihr System zu kühlen mit kühlenden Speisen, hinreichender Ruhe oder Atemtechniken.

Während der Blutung ist vāta vermehrt. Den Substanzverlust sieht man förmlich mit dem Dahingehen des Blutes. Dementsprechend sollte eine Frau in dieser Zeit vāta nicht durch Fasten, Nachtwachen oder körperliche und geistige Überanstrengung weiter reizen. Sie sollte stattdessen darauf achten, dass sie sich so weit wie möglich zurückzieht und sich angemessen Ruhe gönnt.

Schon das Beachten dieser Aspekte kann ausreichen, damit menstruierende Frauen ihre Periode ohne Schwierigkeiten meistern. In manchen Fällen sind die Belastungen aber groß, sodass die doṣas übermäßig stark sind. Dies führt zu jeweils typischen Beschwerden.

Störungen der Menstruation aus āyurvedischer Sicht

Die Ausprägung der Periodenblutung kann Störungen des Gesamtsystems widerspiegeln. Bei Reizung des doṣas

• vāta kommt es zur Störung der Taktung und Regelmäßigkeit, zu Schmerzsyndromen, zur »Trockenheit« des Blutes und der Schleimhäute. Die Blutung ist gering. Manchmal kommt auch kein Blut. Das Blut ist eher dunkel.

• pitta löst sich rotes und heißes Blut, evtl. mit einem Gefühl von Brennen. Störungen der Temperatur sind typisch für eine pitta-Reizung.

• kapha kommt es zu Schleimbildung und Ödemen. Die Zyklen sind langsam. Ein Schweregefühl begleitet die Periode.

Diese Zeichen der Periodenstörungen gehen oft auch mit anderen Symptomen der Störung der doṣas einher. So tritt eine schmerzhafte Periodenstörung selten allein auf. Aus āyurvedischer Sicht ist es nicht erstaunlich, wenn diese Störung durch den doṣa vāta zusammen mit Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrgeräuschen, Schlafstörungen und/oder Verdauungsstörungen auftritt. Oft werden die Beschwerden aus dem nicht-gynäkologischen Bereich noch schlimmer, wenn die Periode noch nicht anläuft – vāta den Anfang der Periode nicht richtig taktet – oder wenn die Periode gerade läuft und damit der Betroffenen die Kraft entrinnt. Ist die Periode hingegen überstanden, werden typischerweise auch die anderen Beschwerden gemildert, weil in der Phase natürlicherweise kapha stärker wird und sich vāta beruhigt. Umgekehrt werden die Schmerzen in der Periode durch Stress, Rhythmusverschiebungen und Nachtwachen verstärkt. Eine Rhythmisierung des Tagesablaufs, warmes Essen und genügend Schlaf können die Beschwerden der Dysmenorrhoe umgekehrt vermindern.

Klassisch im Āyurveda beschriebene Periodenstörungen und deren Behandlung

Im Āyurveda werden in den klassischen Werken Erkrankungen beschrieben, die Menstruationsstörungen im Zentrum haben. Diese werden im Folgenden vorgestellt:

Allgemeine Erkrankungen des weiblichen Geschlechtstrakts (yonivyāpad)

Yonivyāpad ist der zentrale Begriff für alle Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane. Er umschreibt 20 Formen von Erkrankungen, bei denen Periodenstörungen auch immer eine Rolle spielen. Infolge der Periodenstörung kann die Fruchtbarkeit vielfach beeinträchtigt werden. Die Ursachen von yonivyāpad liegen im Leben, in der Ernährung, im Unterdrücken von natürlichen Bedürfnissen oder in »fehlerhaftem« Umgang mit Sex, können aber auch göttlichen Ursprungs sein. Der dadurch gereizte vāta setzt sich dann im weiblichen Genitaltrakt fest. Bei vāta-artigen Störungen kann der Periodenfluss nicht nur schmerzhaft und schaumig werden, sondern auch wie bei der Amenorrhoe ganz zum Erliegen kommen oder gar nicht erst beginnen. Bei pitta-artigem yonivyāpad fließt eher zu heißes, rotes und zu viel Blut, es kann sogar zu Vereiterungen kommen. Kapha-artige yonivyāpad-Formen gehen mit einer Verdickung von Gewebe, Schleim und Jucken einher.

Therapie

Die Behandlung im Āyurveda beginnt immer mit der Untersuchung der Lebensweise und des Ernährungsmusters. Das tägliche Leben ist es, das die doṣas aus der Harmonie bringt und das daher genau daraufhin untersucht werden sollte, ob es einseitig Eigenschaften einzelner doṣas fördert. Das Befolgen der Empfehlungen der āyurvedischen Gesunderhaltung ist oft schon eine hinreichende Therapie von Periodenstörungen, weil diese höchst sensibel auf diese Impulse reagieren. 

Die Ernährung sollte bei allen Periodenstörungen stärkend und nicht reizend sein. Abhängig von dem betroffenen doṣa kann jeweils die doṣa-beruhigende Ernährungsform gefördert werden: bei vāta eher warm, feucht, leicht fettig und gewürzt, bei pitta eher kühlend und hinreichend und bei kapha eher schärfer würzig, warm und leicht verdaulich.

Läuft die Monatsblutung zu gering, dann will man gezielt die Periode anregen. Dafür werden im Āyurveda Kräuter empfohlen, welche die Menstruation fördern. Diese sind eher heißer und schärfer und steigern damit die Durchblutung im Beckenbereich. Dies sorgt für eine Förderung der Ausscheidung von Periodenblut. Vāta und Krämpfe im Unterbauch werden beruhigt. Auch gibt es Heilpflanzen, die zur Stärkung des weiblichen Geschlechtssystems eingesetzt werden können. Spezielle āyurvedische Pflanzen für diesen Bereich sind beispielsweise śatāvarī oder Aloe Vera.

An äußerlichen Therapieformen sind Ganzkörperölmassagen mit warmen Duschen im Anschluss oder warme Ölbäder empfehlenswert. Man kann auch einen in warmem Sesamöl getränkten Tampon in die Scheide einlegen, um das System zu stärken, Schmerz und Krämpfen vorzubeugen und vāta zu beruhigen. Speziell bei vāta-Formen mit wenig dunklem Blut und Schmerzen, vor allem in den ersten Periodentagen oder kurz davor, sind Öl-Wärme-Anwendungen, zum Beispiel auch mit einem gesalzenen Öl, hilfreich. Aufbauende und erwärmende Gewürze wie Zimt oder Pippali unterstützen die Behandlung.

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Bei pitta-Formen mit rotem und heißem Blut, das schnell und dünnflüssig ausgeschieden wird, sind eher kühlende Methoden angezeigt. Bei schlechtem Geruch aus der Scheide kann man diese mit zusammenziehenden Kräutern wie nīmba (Neembaum) auswaschen. Trauben sind gute Stärkungsmittel bei pitta-Störungen in diesem Bereich.

Bei kapha-Formen mit langsam fließendem Blut, das in großer Menge abgegeben wird, kann man beispielsweise Tampons aus Gerstenpulver mit Steinsalz einsetzen. Man muss dabei allerdings darauf achten, dass nach der Entfernung des Tampons die Vagina gründlich mit warmem Wasser oder einer triphalā-Abkochung ausgewaschen wird.

Zieht sich die Gebärmutter bei der Blutung nicht hinreichend zusammen, und es wird weiter und weiter geblutet, dann werden Kräuter genommen, die die Gebärmutter kontrahieren. Dazu gehören beispielsweise Safran oder der Samen der Juckbohne. Beide kann man in Speisen einarbeiten oder mit Honig zu einer kleinen Pille rollen und einnehmen.

Übermäßige Periodenblutung (asṛgdara)

Mit asṛgdara wird nochmals eine eigene Krankheitsentität beschrieben, die dadurch gekennzeichnet ist, dass zu viel Menstruationsblut ausgeschieden wird. Das entspricht der Menorrhagie in der konventionellen Medizin. Da die Ausscheidung von viel Periodenblut die Frau sehr schwächt und auf die Dauer lebensgefährlich sein kann, wird dieser Störung mit gleich zwei Krankheitsbildern, asṛgdara und yonivyāpad, doppelt Aufmerksamkeit gewidmet. Ursächlich sind auch hier fehlerhafte Ernährungs- und Verhaltensweisen wie zum Beispiel Überessen, alkoholische Getränke, ungekochte Speisen, übermäßig viel Sexualkontakt, Überanstrengung, Erschöpfung, Schlaf am Tag, aber auch Trauer und Trauma. Je nach doṣa-Dominanz werden verschiedene Formen unterschieden. Außer der Ausscheidung von zu viel Periodenblut kommt es zu Ganzkörperschmerzen und insbesondere zu Bauchschmerzen während der Periode.

Therapie

Therapeutisch wird erst versucht, die Ursachen zu verhindern und den Stoffwechsel (agni) zu stärken. Dabei muss man vorsichtig sein, um weder pitta noch das Blut zu erhitzen. Das funktioniert optimal, wenn jede Mahlzeit ausschließlich bei Hunger gegessen und mit Ghī zubereitet wird. Eine leicht verdauliche, agni anregende, aber kühlende Nahrung ist ideal. Kühlende und die Blutung stoppende Kräuter wie Süßholz und Aloe Vera können dazu eingesetzt werden.

Sind die Beschwerden therapieresistent oder kehren immer wieder, dann wird im Āyurveda eine Ausleitungstherapie, der klassische pañcakarma, empfohlen. Die Vorstellung ist die, dass die gereizten doṣas immer wieder die Neigung haben, sich in dem betroffenen Gewebe, in diesem Fall dem weiblichen Geschlechtssystem, festzusetzen. Bei der Ausleitungstherapie werden die doṣas erst durch Einnahme von fettenden Substanzen aus dem Gewebe gelöst und dann herausmassiert. Je nachdem, welcher doṣa bei der Periodenstörung im Vordergrund liegt, werden dann in vorgeschriebener Reihenfolge die dafür notwendigen Schritte der Ausleitung durchgeführt. Immer wichtig sind dabei die Einläufe, die in einer Serie von aufbauenden öligen Einläufen mit Ganzkörpermassagen und ausleitenden Kräutereinläufen vonstattengehen. Nach der Ausleitungstherapie ist ein achtsamer Aufbau von gesunden doṣas sehr wichtig, um die Wirkung zu vertiefen und zu konsolidieren.

Auch aus āyurvedischer Sicht wird Yoga bei Periodenstörungen wärmstens empfohlen, wobei während der Blutung selbst die Körperübungen (āsanas) kaum oder nur sehr achtsam geübt werden sollen. Atemübungen können jedoch je nach doṣa-Belastung immer geübt werden und wirken sowohl kräftigend als auch ausgleichend.

Zusammenfassung

Im Āyurveda versteht man Störungen der Menstruation als einen Hinweis auf eine Dysharmonie der doṣas. Doṣas sind Kräfte, die alle Funktionen des Individuums auf körperlicher, geistiger und emotionaler Ebene kontrollieren. Doṣas reagieren auf die Eigenschaften, die in der Welt, die das betroffene Individuum umgibt, vorkommen. Gleiche Eigenschaften verstärken die doṣas, die diese Eigenschaften tragen. So führen Sorgen, Stress und Unsicherheit ebenso wie unregelmäßiges Essen, Schlafmangel und Wetterwechsel zu einer Steigerung des doṣa vāta, der wiederum zu Unregelmäßigkeit oder Schmerzen in der Periode führt.

»Wärme, Regelmäßigkeit, Feuchtigkeit und Ruhe sind dementsprechend die ersten therapeutischen Impulse bei Periodenschmerzen.«

 Gegensätzliche Eigenschaften vermindern und beruhigen den doṣa wieder. Wärme, Regelmäßigkeit, Feuchtigkeit und Ruhe sind dementsprechend die ersten therapeutischen Impulse bei Periodenschmerzen. Die āyurvedische Therapie kann durch spezielle Ernährungsempfehlungen, innerliche wie äußerliche Anwendungen, eine gezielte Heilkräuterbehandlung sowie eine Ausleitungstherapie intensiviert werden. Auch Yoga lässt sich hervorragend in ein āyurvedisches Behandlungskonzept integrieren.

Literatur

1 Gupta, HH (2017): »Einführung in den Āyurveda«, Verlag für Vedische Wissenschaften, Asperg

2 Gupta, HH (2020): »Āyurveda für Frauen«, Verlag für Vedische Wissenschaften, Asperg

3 Carakasaṁhitā Cikitsāsthāna 30

4 Suśrutasaṁhitā Uttaratantra 38

5 Mādhvanidānam 62

6 Gupta, HH (2013–19): »Āyurveda vijñāna I–IV«. Verlag für Vedische Wissenschaften, Asperg

Zur Autorin

Dr. med. Hedwig H. Gupta ist Fachärztin für Orthopädie mit Schwerpunkt Rheumatologie. Sie ist Gründerin und Leiterin der vidya sāgar Akademie für Āyurveda und Yogatherapie. Ebenso ist sie Mitgründerin der Deutschen Ärztegesellschaft für Āyurveda-Medizin sowie der Deutschen Gesellschaft für Yogatherapie und derzeit zweite Vorsitzende beider Gesellschaften.

vidya-sagar.de

Bildnachweise: © unsplash.com, pixabay.com

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