Frau greift sich mit der Hand an den Kehlkopf

Friederike Reumann – Die Bewegung der Organe

Ein Urprinzip des Lebens im osteopathischen Verständnis

Unsere Gesundheit ist eng mit Bewegung verknüpft. Dabei geht es beim Thema Bewegung nicht nur um äußere Aktivitäten wie Joggen, Fahrradfahren oder Schwimmen, sondern auch um kleine Bewegungen unserer inneren Organe, die die wenigsten Menschen im alltäglichen Leben wahrnehmen. Friederike Reumann kann diese Bewegungen ertasten, wieder in Harmonie bringen, wenn sie einmal aus dem Lot geraten sind, und so ihren Patienten zu mehr Gesundheit und Heilung verhelfen.

Bewegung ist ein Urprinzip des Lebens. Alles schwingt, pulsiert, dehnt sich aus und zieht sich zusammen: von den größten Strukturen des Universums bis zu den kleinsten Zellen unseres Körpers. Auch der Mensch bildet keine Ausnahme. Wir sind integraler Bestandteil eines Kosmos, in dem Rhythmus, Anpassung und Austausch die Grundgesetze des Daseins sind.

Osteopathie knüpft genau hier an. Sie ist eine ganzheitliche manuelle Therapieform, zurückgehend auf die Erkenntnisse des US-amerikanischen Arztes Andrew Taylor Still, der im ausgehenden 19. Jahrhundert etliche physiologische und immunologische Zusammenhänge erkannte und den Körper als Einheit aus Struktur und Funktion begriff. Die Kunst der Osteopathie besteht darin, den Organismus als lebendiges System wahrzunehmen – als ein Gefüge aus Gewebe, Organen, Blutkreislauf, Nerven und feinen Rhythmen, die miteinander kommunizieren. Bewegung beziehungsweise Beweglichkeit sind hier wichtige Faktoren, da alle Gesundheit vom reibungslosen Fluss des Blutkreislaufs und Lymphsystems abhängt, wie auch von der Versorgung des Gefäß- und Nervensystems.

»Die Behandlung zielt darauf ab, die körpereigenen Ressourcen zu stärken, Beweglichkeit und Rhythmen wiederherzustellen und so günstige Bedingungen für Heilungs- und Regenerationsprozesse zu schaffen.«

Die Behandlung richtet den Blick daher nicht auf Symptome, sondern auf zugrundeliegende Zusammenhänge. Blockaden entstehen selten lokal; sie spiegeln oftmals veränderte Rhythmen, Stressmuster oder fehlende Beweglichkeit wider. Aus osteopathischer Sicht können solche Störungen langfristig das harmonische Zusammenspiel von Gewebe, Durchblutung, Nervenfunktion und körpereigene Regulationsmechanismen beeinträchtigen. So ließe sich erklären, wie chronische Prozesse im Körper begünstigt werden können: Wenn Gewebe über Jahre vermindert versorgt, dauerhaft überlastet oder neurovegetativ aus dem Gleichgewicht geraten, kann dies die Widerstandsfähigkeit körpereigener Strukturen herabsetzen.

Aus dieser Perspektive wird verständlich, warum degenerative Veränderungen wie Arthrose, gefäßbezogene Prozesse wie Arteriosklerose oder auch komplexe neurologische Erkrankungen wie MS oder Parkinson sich in einem Körper manifestieren können, der seine ausgleichenden Fähigkeiten teilweise verloren hat. Die Osteopathie versteht solche Erkrankungen als Ausdruck eines länger gestörten Zusammenhangs zwischen Struktur, Funktion und innerer Regulation. Die Behandlung zielt daher darauf ab, die körpereigenen Ressourcen zu stärken, Beweglichkeit und Rhythmen wiederherzustellen und so günstige Bedingungen für Heilungs- und Regenerationsprozesse zu schaffen.

Viszerale Osteopathie – die Kunst, Organe zu behandeln

Die Behandlung der inneren Organe ist ein zentraler Bestandteil des osteopathischen Spektrums. Organe besitzen eigene Bewegungen, Spannungen und Aufgaben im Zusammenspiel des Lebens. Die Leber folgt ihrem eigenen Rhythmus, sanft eingebettet unter dem Zwerchfell. Aus osteopathischer Sicht zeigt sie mehrere Bewegungsqualitäten: Zum einen wird sie durch den Atemmechanismus geführt – bei jedem Einatmen gleitet sie durch den Zug des Zwerchfells leicht nach unten und kippt minimal nach vorn. Zum anderen besitzt sie, wie viele Organe, subtile Eigenbewegungen. Diese entstehen laut Jean-Pierre Barral als Ausdruck ihrer Durchblutung, ihres Stoffwechsels und ihrer embryonalen Entwicklung. Sie ergibt sich aus der elastischen Spannung, Ligamentführung und der kontinuierlichen Versorgung mit Blut und Lymphe.

Der Darm kommuniziert über Bänder, Gefäßaufhängungen und Faszien mit der Wirbelsäule. Anatomisch geschieht dies über Strukturen wie das Mesenterium, das die Darmschlingen mit der hinteren Bauchwand verbindet und gleichzeitig Nerven, Blut- und Lymphgefäße führt. In der osteopathischen Betrachtung übertragen diese Aufhängungen nicht nur mechanische Kräfte, sondern spiegeln auch vegetative Reaktionen wider: Spannungen des Darms, etwa durch Verdauungsprozesse, Stress oder lokale Reizungen, können sich über diese Zuglinien bis zur Lendenwirbelsäule oder zum Becken fortsetzen. Umgekehrt können knöcherne Blockierungen in dieser Körperregion die freie Mobilität des Darms beeinflussen.

»Die Organe sind aktive Akteure: Sie antworten auf Spannung, Lebensrhythmus und sogar auf Emotionen.«

Das Herz wiederum pulsiert in seinem schützenden Herzbeutel, dem Perikard. Dieses ist über Bänder mit dem Zwerchfell, dem Brustbein und der umliegenden Faszienarchitektur verbunden. Dadurch entsteht eine komplexe Bewegungsdynamik: Mit jedem Atemzug verschiebt sich das Herz leicht im Brustkorb, während es gleichzeitig durch seinen eigenen Rhythmus, die kardiale Pumpbewegung, eine minimale Torsion und Rotation ausführt. Barral beschreibt dies als harmonisches Zusammenspiel zwischen innerer Eigenbewegung und äußerer Mitbewegung durch Atmung und fasziale Spannung. Störungen in diesen Zuglinien können sich deshalb nicht nur lokal, sondern im gesamten Thorax funktionell bemerkbar machen.

In diesem Verständnis sind Organe aktive Akteure: Sie antworten auf Spannung, Lebensrhythmus und sogar auf Emotionen. Ihre Bewegungen sind fein, regelmäßig und für unsere geschulten Hände tastbar. So lässt sich wahrnehmen, ob ein Organ frei gleitet, verklebt, überlastet oder gestresst ist. Osteopathen benötigen dafür keine Werkzeuge – ihre Hände sind ihr Instrument. Sie spüren Bewegungs- und Gleitmuster, die Eigenbeweglichkeit der Organe (Motilität) und ihren Kontakt zu umgebenden Strukturen.

Beispiel aus der osteopathischen Praxis

Eine meiner Patientinnen kam mit einer seit Jahren bestehenden Reizdarmproblematik zu mir in die Praxis. Besonders in stressigen Lebensphasen verschlimmerten sich ihre Beschwerden. Sie hatte dann das Gefühl von Blähungen, einem gespannten Oberbauch, Unruhe im Körper und das Gefühl »nie richtig verdauen zu können«. Schon zu Beginn der Untersuchung zeigte sich ein typisches Muster: Das vegetative Nervensystem war deutlich überaktiv, der Bauch gespannt, und beim sanften Tasten waren die Darmklappen (Bauhin’sche Klappe) nicht vollständig schließend. In solchen Situationen kommt es zu einer Durchmischung des Darmmilieus, die Peristaltik verliert ihren Rhythmus und die Gewebe geraten unter Druck.

Ich begann mit einer lokalen Behandlung des Darms. Durch rhythmische, sehr feine Mobilisation und sanfte Massagegriffe löste sich die Spannung im unteren rechten Bauchquadranten und das Gewebe wurde spürbar weicher, durchlässiger und beweglicher.

Osteopathin fasst sich mit beiden Händen an den Hals

Da die Funktionsstörung jedoch eng mit Stress verbunden war, arbeitete ich zusätzlich über den Vagusnerv, den zentralen »Beruhigungsnerv« des Körpers. Durch sanfte Techniken am Schädel und am Zwerchfell beruhigte sich der vegetative Tonus sehr schnell und der Bauch begann sich in Wellen zu bewegen, als würde der Körper wieder seinen ursprünglichen Takt aufnehmen. Gegen Ende der Behandlung meinte die Patientin, sie könne wieder besser durchatmen. Ihr Bauch fühle sich an, als würde er loslassen.

Die vorher präsente Spannung im Bauchbereich war deutlich reduziert. Die Peristaltik setzte hörbar und fühlbar ein: leise gluckernde Geräusche und subtile Bewegungswellen – Zeichen dafür, dass der Darm und das Nervensystem wieder in Kontakt miteinander waren und in ihre Ordnung fanden. Zwei Tage später berichtete die Patientin von nachhaltig weniger Druckgefühl, deutlich ruhigerer Verdauung, weniger Blähungen und von besserer Stressverarbeitung. Für sie fühlte es sich an, als hätte ihr Darm wieder Platz bekommen, um seine eigene Arbeit zu machen.

Die innere Beweglichkeit der Organe

Die Bewegungen der Organe unterstützen Verdauung, Stoffwechsel, Detox-Prozesse, Hormonhaushalt und die Stabilität des inneren Milieus, weil ihre rhythmischen Verschiebungen und Druckänderungen den Fluss von Blut, Lymphe und Verdauungssäften fördern. Durch sanftes Gleiten und Dehnen werden die Gefäße und Nerven freigehalten, Drüsen können Sekrete besser abgeben, und die kontinuierliche Mobilität hilft, Stauungen zu vermeiden. So entsteht ein dynamisches Gleichgewicht, in dem Organe effizient versorgt werden und ihre Funktionen besser koordiniert ablaufen können.

Moderne Lebensumstände stellen dieses System jedoch vor Herausforderungen: Pestizide, Stress, Schlafmangel, Medikamente, schlechte Luft, einseitige Ernährung und emotionale Belastungen verändern die feinen Rhythmen. Wenn innere Bewegungen stocken, entstehen funktionelle Beschwerden wie etwa Druckgefühle, Müdigkeit, Verdauungsstörungen, hormonelle Dysbalancen, diffuse Schmerzen oder ein allgemeines Gefühl, »aus dem Gleichgewicht zu geraten«.

»Pestizide, Stress, Schlafmangel, Medikamente, schlechte Luft, einseitige Ernährung und emotionale Belastungen verändern die feinen Rhythmen.«

Manche Symptome zeigen sich direkt am betroffenen Organ, andere erst über sogenannte funktionelle Ketten. So kann etwa eine reduzierte Leberbeweglichkeit zu Schulterschmerzen führen, weil das Ligamentum falciforme und fasziale Zuglinien mit dem rechten Schultergürtel in Beziehung stehen. Ein blockiertes Zwerchfell kann über seine enge anatomische Verbindung zum Nervus phrenicus und die Beeinflussung des vegetativen Nervensystems Herzklopfen verstärken. Der Darm beeinflusst über das Mesenterium und seine Wechselwirkung mit lumbalen Segmenten die Dynamik der Wirbelsäule. Diese Muster wirken nicht zufällig – sie spiegeln innere Stressmomente wider, die sich im Gewebe niederschlagen.

Vegetatives Nervensystem und organische Dysfunktionen

Das vegetative Nervensystem steuert unbewusst nahezu alle Organfunktionen: Herzschlag, Atmung, Verdauung, Spannung und Entspannung. Wenn Stress den Sympathikus aktiviert, schaltet der Körper auf Alarmmodus, da vor allem die glatte Muskulatur von Blutgefäßen und Drüsen vom Sympathikus angesprochen und somit eine ergotrope Wirkung hervorgerufen wird – eine nach außen gerichtete Reaktion, die man grob als »fight or flight« (Kämpfen oder Fliehen) bezeichnen kann. Bleibt dieser Zustand bestehen, stauen sich Spannungen an, die Verdauung ist gedrosselt, die Atmung wird flacher – und die Selbstregulation bricht ein.

Osteopathie setzt genau hier an: Sie beruhigt und reguliert das vegetative Nervensystem, schafft Raum für Atmung, organische Beweglichkeit und die Wiederherstellung des inneren Gleichgewichts, damit Heilung geschieht.

»Gesundheit wird zu etwas, das sich im Kern wie ein harmonischer Fluss aus Energie, Rhythmus und innerer Verbundenheit anfühlt.«

So wirkt osteopathische Berührung auf Körper, Geist und Seele

Osteopathische Berührung ist langsam, achtsam und rezeptiv. Sie verändert nichts »von außen«, sondern unterstützt die Selbstregulation des Körpers von innen heraus. Patienten beschreiben während der Behandlung häufig ein Gefühl von Wärme, Weite, innerem Abtauchen oder emotionaler Zentrierung – als erstes Zeichen von Heilung.

Die Behandlung schafft Bedingungen, in denen der Körper Ordnung findet. Oft berichten Patienten nach einer Behandlung von tieferem Durchatmen, mentaler Ruhe, besserer Verdauung, gelöstem Brustkorb oder dem Gefühl, wieder »bei sich« zu sein. Gesundheit wird so zu etwas, das sich im Kern wie ein harmonischer Fluss aus Energie, Rhythmus und innerer Verbundenheit anfühlt. Solche Empfindungen lassen sich neurophysiologisch dadurch erklären, dass manuelle Reize das autonome Nervensystem beruhigen, die Vagusaktivität stärken und fasziale Spannungen verringern. Dadurch normalisieren sich Atmung, Herzrhythmus, Stresslevel und Verdauungsfunktionen und der Körper gleitet messbar (zum Beispiel über die Herzratenvariabilität, EEG- Muster oder Cortisolspiegel) in einen Zustand innerer Kohärenz.

Osteopathische Schilddrüsenmassage

Wie wir unsere Organe im Alltag noch unterstützen können

Zwischen den Behandlungen können wir viel tun, um die natürlichen Funktionen unserer Organe zu stärken. Dazu gehören etwa achtsame Atmung, die das Zwerchfell und die Bauchorgane mobilisiert, sanfte Bewegungen wie Yoga, Qi Gong oder Spaziergänge, um die Durchblutung und Verdauung zu fördern, regelmäßige Pausen und Mahlzeiten, genügend Schlaf mit Tiefschlafphasen und Stressreduktion für die emotionale Balance.

An dieser Stelle möchte ich dir eine Übung mit auf den Weg geben, die ähnlich wie ein osteopathischer Impuls wirkt und ohne Hilfsmittel auskommt. Sie aktiviert die Selbstheilungskräfte, sorgt für mehr Energie und fördert den Stoffwechsel ganzheitlich.

Unter allen Organen in unserem Körper gibt es eines, das mehr als andere Organe über unsere Leistungsfähigkeit, Vitalität und über das Energielevel bestimmen kann: die Schilddrüse. Sie ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, das an der Halsvorderseite unter dem Kehlkopf gut zu ertasten ist. Die meisten Schilddrüsenerkrankungen wie Über- und Unterfunktionen entstehen sekundär durch Dysbalancen in den Hormonregelkreisen, durch Überlastung anderer Organe wie der Leber und Gallenblase oder durch bestimmte Nährstoffdefizite, die Umbauprozesse der Hormone beeinflussen.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion sind die Stoffwechselprozesse erhöht. Es kommt zu Gewichtsabnahme, vermehrtem Schwitzen, schnellem Puls und innerer Unruhe mit Schlafproblemen. Häufig werden die Symptome durch entzündliche Prozesse begleitet. Eine Schilddrüsenunterfunktion wirkt sich eher gegenteilig aus: Übergewicht, Haarausfall, dauerhafte Müdigkeit und Empfindlichkeit gegenüber Kälte. Dem Körper fehlt Energie für Stoffwechselprozesse und nicht nur das: Bei einer Unterfunktion stumpfen häufiger die emotionalen Empfindungen ab, der Betroffene kämpft mit depressiven Zügen.

Ist die Schilddrüse rundum gesund, strotzt der Körper vor Kraft und Energie. Die Stimme ist klar und deutlich, man wirkt jünger als das eigentliche Alter. Menschen mit einer vitalen Schilddrüse sind meist erfolgreich, begehrenswert und haben eine ausgereifte Persönlichkeit. Doch gerät die Balance ins Wanken, dann zeigt sich die Schilddrüse mit ersten Warnsignalen. Dazu zählen etwa der Drang, sich häufig räuspern zu müssen, ebenso ein Kloßgefühl im Hals, eine schwache Stimme, Erschöpfung, Reizbarkeit, Halsschwellung und ein erhöhtes Wärme- oder Kälteempfinden.

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Massageschritte

Den Mundboden lockern:

Hebe im Sitzen das Kinn und tauche mit den Fingerkuppen in das muskuläre Gewebe am Mundboden unter dem Kinn ein. Massiere den Mundboden mit etwas Druck und kreisförmigen Bewegungen. Streiche danach den Mundboden mit flächigen Fingern von der Kinnspitze bis zum Halsbereich aus. Nimm dir insgesamt 1-3 Minuten Zeit.

Lymphe am Hals mobilisieren:

Lege danach deine Hände flächig an den Hals. Verschiebe die Haut darunter in einer langsamen, kreisförmigen Bewegung nach hinten unten. Wiederhole den Griff an dieser Stelle fünf bis sieben Mal. Setze dann noch einmal darunter an und kreise an der neuen Stelle auf gleiche Weise.

Druck von der Schilddrüse nehmen:

Lege im Sitzen beide Hände mit etwas Druck auf das Brustbein und ziehe das Brustbein mit der Haut einige Millimeter nach unten Richtung Schoß. Öffne gleichzeitig leicht den Mund und schaue mit dem Kopf nach oben. Dabei spürst du, wie sich die Halsvorderseite dehnt. Atme fünf tiefe Atemzüge unter deine Hände. Bonus: Strecke in der Position die Zunge zur Nasenspitze aus und bewege sie fünf Mal wie einen Scheibenwischer von links nach rechts. Dadurch mobilisierst du noch die Mundboden- und Kieferregion.

Muskelansätze unter dem Schlüsselbein massieren:

Lege die Finger beider Hände unter die äußeren Enden der Schlüsselbeine bei den Schultern. Mit einer kreisenden Bewegung der Finger massierst du den ersten Abschnitt am unteren Ende der Schlüsselbeine kräftig aus. Bleibe auf der Stelle, bis sie sich spürbar lockert. Dann massiere den nächsten Punkt daneben. Suche dir insgesamt drei bis vier Punkte unter den Schlüsselbeinen und beende die Massage mit einem Punkt am Anfang der Schlüsselbeine, dort wo sie auf das Brustbein treffen. An dieser Stelle befindet sich ein wichtiger Energiepunkt. Wenn dieser durch die Massage aktiviert wird, lösen sich meist auch emotionale Blockaden, die eng mit dem Gefühl von Trauer und Schwere verknüpft sind. Danach lässt es sich spürbar besser durchatmen.

Wirkung:

Die Schilddrüsen-Massage stärkt auf allen Ebenen: körperlich, geistig und emotional. Nach der Massage sind die vordere Halsfaszie und die Nackenmuskulatur entspannter. Dadurch kann sich die Gleitfähigkeit des umliegenden Gewebes verbessern – das Schlucken fühlt sich freier an, das Atmen fällt leichter und die Spannung im Halsraum ist geringer. Außerdem wird der Lymphfluss angeregt. Das kann sehr hilfreich und entlastend sein, gerade wenn Schilddrüsen-Dysfunktionen mit Entzündungen einhergehen. Bei regelmäßiger Anwendung empfinden die meisten ein Gefühl von mehr Vitalität und Energie, denn die Massage unterstützt die Stoffwechsel- und hormonellen Prozesse im Körper.

Osteopathin massiert sich selbst

Wie sich Dysfunktionen in den Organen bemerkbar machen

Organe senden meist leise und diffuse Signale, wenn etwas nicht stimmt. Nicht wie ein verstauchter Knochen oder ein verletzter Muskel, sondern als diffuse Müdigkeit, Verspannungen, Druckgefühle oder emotionale Schwere.

Die Leber zum Beispiel reagiert auf Belastung häufig nicht mit lokalem Schmerz, sondern mit Signalen wie Antriebslosigkeit, Mattigkeit, Trägheit, Augenbeschwerden oder Spannungen im oberen Bauch, da sie als zentrales Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan den Energiehaushalt, den Hormonabbau und die vegetative Balance beeinflusst. Das Zwerchfell spiegelt Stress über Atemprobleme oder Herzklopfen wider. Verdauungsorgane senden Hinweise über Blähungen, Unwohlsein, wechselnde Stuhlgewohnheiten oder Druck im Rücken- und Beckenraum.

»Organe sind Ausdruck unserer inneren Rhythmen.«

Wenn ein Organ seinen Rhythmus verliert, verliert der Mensch häufig Zugang zu seinem eigenen inneren Kompass. Emotionale Belastungen, Fehlhaltungen, Stress und Müdigkeit sind dann nicht einfach Symptome – sondern Signale, um wieder ins Gleichgewicht zu finden.

Fazit: Ein neues Verständnis von Gesundheit

Organe sind Ausdruck unserer inneren Rhythmen. Sie reagieren auf Berührung, Atmung und innere Haltung. Wer ihren Mustern lauscht, erlebt oft mehr als körperliche Veränderung – nämlich eine tiefere Verbindung zum eigenen Sein. Der Körper ist ein komplexes System, in dem Organe, Geist und Emotionen sich wechselseitig beeinflussen. Schmerzen oder organische Beschwerden sind daher nicht nur Fehlfunktionen – sondern Signale, die uns einladen, Harmonie und Selbstregulation wiederzufinden.

Gesundheit zeigt sich dann nicht nur in freien Beweglichkeit der Organe, sondern in einem Gefühl von Präsenz, Verbindung und innerer Ordnung. Die Vorstellung, dass jedem Viszeralorgan eine eigenständige Bewegung innewohnt, ist faszinierend und eröffnet viele Behandlungsmöglichkeiten in der Präventiv- und Schmerzmedizin. Gerade wenig erforschte Beschwerdebilder wie Endometriose, PMS, Hashimoto, Reizdarm und Migräne könnten durch osteopathische Behandlungen mit dem Ziel der Beschwerdelinderung sinnvoll unterstützt werden.

Zur Autorin

Portrait Friederike Reumann

Friederike Reumann ist Physiotherapeutin, Heilpraktikerin und Osteopathin mit eigener Praxis und Yoga Loft am Steinhuder Meer. Sie hat unter anderem Ausbildungen in traditioneller Chinesischer Medizin, Hypnose und Yoga absolviert und bereits mehrere Bücher über Selbstbehandlungsmöglichkeiten geschrieben.

Webseiten: yoga-am-steinhuder-meer.de, physioplus-neustadt.de

Mehr Übungen und Tipps:

Insta: friederike_reumann oder physioplus_neustadt

YouTube: Friederike Reumann Yoga & Osteopathie

Bildnachweis: © Adobe Stock, Friederike Reumann

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