Das Manifest der neuen Erde

Jeder kann zu einem Leuchtturm werden

Autorin: Catharina Roland

Das »Manifest der neuen Erde« stellt eine Vision für unseren blauen Planeten und alle Menschen, die darauf leben, vor. Initiatorin Catharina Roland sprach mit uns über Wege des zukünftigen Miteinanders, eine harmonische Gesellschaftsstruktur und die neue Vernetzungsplattform LivingEarth.one.

Tattva Viveka: Catharina, was genau ist das »Manifest der neuen Erde«? Ist es eine Vision, eine Absichtserklärung, eine Bewegung?

Catharina Roland: Es ist das, was jeder Einzelne daraus macht, oder das, was wir als Kollektiv daraus machen. Es ist eine Vision. Es ist ein Blick durchs Fenster in eine Zukunft, die im Hier und Jetzt anfängt, die uns zeigt, wie die Erde sein kann, wenn wir in Harmonie miteinander leben. Das schließt die Pflanzen, Tiere und alles Leben mit ein. Ich schreibe gerade einige Stellen des Manifests neu, weil es keine feste, sondern eine sich ständig im Wandel befindende Vision ist, die unter anderem durch Schwarmintelligenz, durch Menschen, die uns ihre Visionen mitteilen, und durch eine Gruppe von Weisenräten, die wir zusammengerufen haben, genährt wird. Wir haben kürzlich viele von den Weisenräten live im Kreis sitzen gehabt, was ein sehr berührender Moment für uns war.

Das Manifest beinhaltet Kapitel zu allen Lebensbereichen, angefangen bei einer sanften Geburt – ja sogar bei der Empfängnis eines Menschenwesens auf der Erde, diesem heiligen Akt –, über Potenzialentfaltungsräume anstatt Schulen und eine Wirtschaft, die in Kreisläufen läuft, bis hin zu Heilungsräumen und einem neuen Finanzsystem, das uns dienlich ist. Andere Kapitel befassen sich mit einer neuen Form der »Fairwaltung«, mit neuen Medien und vor allem auch mit der Regeneration und Renaturierung des Bodens, der Gewässer und der Wälder oder mit gesunder Ernährung – auf allen Ebenen unseres Seins. Alle Kapitel sind in der Jetzt-Form geschrieben, sodass man sie liest und gleichzeitig im Herzen spürt und im Verstand realisiert, dass es möglich ist, so ein Leben auf der Erde zu manifestieren. Im Manifest wird zudem beschrieben, WIE es möglich ist. Der Weg dorthin ist schon ein Teil davon, damit es nicht nur eine Utopie bleibt, die irgendwann in der Zukunft stattfindet, sondern etwas, das jeder Einzelne von uns in seinem Bereich jetzt schon leben und umsetzen kann.

TV: Was würdest du sagen, ist die primäre Absicht dieses Manifests? Was genau möchtet ihr erreichen?

Catharina: Wir wollen die Menschen inspirieren und aktivieren. Unsere neue Lieblingsgeste ist es, die Ärmel hochzukrempeln. Wir gehen davon aus, dass wir das Wissen, dass wir ein Teil der Natur sind, und das Wissen, dass wir in Harmonie mit allem Leben leben können, tief in uns tragen. Meine persönliche Ansicht ist, und das steht so nicht im Manifest, dass uns dieses Wissen in den letzten Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten, vielleicht sogar Jahrtausenden bewusst oder unbewusst abtrainiert wurde. Wir haben vergessen oder wir wurden vergessen gemacht, welch kraftvolle, göttliche Wesen wir sind und wie verbunden wir auf allen unseren Ebenen mit allem sind. Wir hören ja nicht an unserer physischen Körpergrenze auf, wir haben ja noch sehr, sehr viele Körperebenen, einen mentalen Körper, einen Gefühlskörper, wir sind verbunden mit einer kollektiven Informationsebene, mit der wir mit allem Leben in ständigem Austausch und ständiger Resonanz sind. Das kann man sogar auf biochemischer und mikrobieller Ebene messen.

Wir haben vor Kurzem einen Kurs organisiert, in dem wir eine spezielle Art von Komposter, einen Wirbelstromkomposter, kennengelernt haben. Der Wirbelstromkomposter ist ein großartiges und kraftvolles Mittel, um die Erde wieder zu regenerieren. Es entsteht dort ein Mikrobiom, das pure Heilung ist. Und wenn ich mir bewusst werde, dass sich das Mikrobiom im Boden im Mikrobiom meines Darms wiederspiegelt, ist das fantastisch. Natürlich steht das Mikrobiom unseres Darms auch mit den Pflanzen, die ich esse, in Verbindung. Diese nehmen das Mikrobiom und die Nährstoffe aus dem Boden auf, und ich wiederum assimiliere es in meinen Körper, wo es zu meinen Zellen wird. All das ist offensichtlich, aber es wurde teilweise vergessen.

Insofern wollen wir Menschen inspirieren, sich wieder daran zu erinnern und gleichzeitig auch aktiv zu werden, um aus der Opferrolle und der Rolle der Hilflosigkeit in ihre Souveränität herauszutreten sowie ihr Potenzial zu erkennen, ihre Kraft als Schöpferwesen. Jeder Gedanke, jedes Bild, das wir in uns aufsteigen lassen, erschafft Realität. So machtvoll sind wir. Und unsere Rückanbindung an die Natur bringt uns in unsere Urkraft. Gemeinsam haben wir als Menschheitsfamilie das Potenzial ein Paradies auf Erden zu erschaffen. Wir wollen dazu animieren, dass sich die Menschen vernetzen, dass sie Menschen um sich herum finden. Dafür bieten wir auch ein »Tool« an: Es nennt sich »Werde Humusbotschafter«. Die Idee ist, dass jeder einen einfachen Vortrag über den Humus, also den gesunden Teil unserer Böden, über den Organismus unter unseren Füßen, lernt, seine die Natur auf technische Art und Weise zu verbessern. Das ist ein kompletter Unsinn. Wir sind wundervolle Wesen und sollten entdecken, was alleine unser Körper für ein phänomenales Reisegefährt hier auf der Erde ist, was für eine Intelligenz er hat und auch was jede Mikrobe für eine Intelligenz hat. Dass der Großteil unserer Gene nicht einmal menschlichen Ursprungs ist, sondern Gene des Mikrobioms beinhaltet, aus dem unser Körper besteht. Sie haben eine eigene Form von Intelligenz, die wir nicht wegdesinfizieren und mit Angst besetzen sollten. Wir sollten verstehen, dass ein Virus oder ein Bakterium ein Teil von mir ist und es nur darumNachbarn zusammenruft, die er vielleicht noch nie eingeladen hat, diesen Vortrag hält und so eine Vernetzung innerhalb der eigenen Region stattfindet. Durch diesen Austausch kommt man darauf, welches Potenzial in der eigenen Nachbarschaft eigentlich vorhanden ist. Es geht dann nicht mehr um Krankheiten oder das Wetter, sondern um Fragen wie: Wo sind unsere Biobauern und wie können wir sie unterstützen? Was brauchst du? Was kannst du? Was kannst du mir beziehungsweise der Gemeinschaft geben? Wer baut was an? Wo ist die nächste Quelle? Wer ist eine Hebamme? Wer ist ein Therapeut? Wer kann massieren oder einkochen oder wer kennt sich mit Heilkräutern aus? Auf diese Weise beginnen wir, die neue Erde aus unserer Mitte heraus entfalten zu lassen. Die Mitte ist natürlich als Allererstes unser Herz, aber auch die Mitte unserer Gemeinschaft. Für diesen Austausch haben wir eine Anleitung, einen Vorschlag zur Ausführung erstellt, an dem sich jeder orientieren kann.

»Die Zeit ist vorbei, in der wir einzelkämpferisch versuchen, uns zu erfüllen und uns zu bereichern.«

Wir spüren, die Zeit ist vorbei, in der wir einzelkämpferisch versuchen, uns zu erfüllen und uns zu bereichern. Wir haben hoffentlich mittlerweile alle verstanden, dass die wahre Erfüllung nicht aus irgendwelchen Dingen besteht, die wir kaufen können, sondern aus Beziehung, vor allem auch aus Beziehung zu uns selbst und Beziehung zur Natur.

TV: Das ist in der Tat ein sehr drängendes Thema im Moment, dass die Menschen immer mehr verstehen, dass es diese Art von Veränderung hin zu mehr Gemeinsamkeit braucht.

Catharina: Ja, es wäre bloß schön, wenn wir erkennen, dass wir keine Art Dominanz von außen brauchen, dass wir keine Weltregierung brauchen, um wieder liebevoll und verantwortungsvoll mit der Natur umzugehen. Stattdessen kommt die wahre Transformation durch die Entdeckung der Liebe zu uns selbst als einem Teil der Natur. Denn das, was wir lieben, schützen wir auch. Im Endeffekt brauchen wir keine Gesetze, die uns etwas vorschreiben und die versuchen, uns in eine Richtung von Transhumanismus zu treiben, bei dem versucht wird,  geht, dass ich wieder in Harmonie mit der Natur bin. Dann ist auch mein Immunsystem wieder so stark, dass auf jede Form von Virus oder Bakterium, dem ich im Außen begegne, sofort eine richtige Reaktion in meinem Körper folgen kann. Unser ganzes Krankheitssystem ist einfach ausgelaufen.

TV: Ja, in der Hinsicht sind die Menschen sehr überheblich, indem sie meinen, sie könnten die Natur verbessern … Was wird bisher von den Punkten aus dem Manifest schon umgesetzt?

Catharina: Vieles. Und vieles, von dem wir gar nichts wissen! Wir hören immer wieder von Menschen, dass sie das Manifest als Basis nehmen, um eigene Gruppen und Communities oder Wohngemeinschaften zu bilden. Es wird in freien Schulen, Kindergärten und Altersheimen gelesen und weitergegeben. Ich denke, dass jeder seinen Bereich findet, zu dem er am meisten Resonanz spürt, wo er/sie beginnen kann, zu einem Leuchtturm zu werden und es vorzuleben. Das kann die Mülltrennung sein oder den Wald zu reinigen. Das kann die Kompostierung zum Aufbau des Bodens sein oder Kräuterkunde zu lernen und weiterzugeben. Diese Dinge kann jeder umsetzen. Ein Produzent kann beginnen, in Kreisläufen zu denken. Damit verbunden gibt es dieses wunderbare Beispiel von Cradle-to-cradle, das wir auch im Manifest zitieren. Es verfolgt die Absicht, keinen Abfall mehr zu produzieren, sondern die Produktion in Kreisläufen zu organisieren. Es werden auch neue Schulen gegründet, unter anderem von Menschen, die direkt mit dem Manifest verbunden sind.

Alleine bei diesem Humusbotschafter-Vortrag, den ich bereits erwähnt habe, haben sich Freilerner-Gruppen gebildet, in denen anscheinend schon Tausende Kinder die Möglichkeit bekommen haben, auf eine alternative Art und Weise zu lernen. Wir selber haben verschiedene Gruppen auf Telegram, in denen es zum Beispiel um Gemeinschaftsbildung und freies Lernen geht. Kürzlich hat eine wundervolle Heilerin aus unserem LivingEarth-Kreis eine Gruppe rund um Heilung initiiert, die sich auch auf Telegram austauscht.

Eine frohe Botschaft, die ich hiermit verkünden darf, ist, dass wir eine Vernetzungsplattform aufbauen, die LivingEarth.one. Auf dieser Webseite können wir einander und diejenigen finden, die den ähnlichen Wunsch haben, die neue Erde aufzubauen. Gleichzeitig finden wir dort auch die Biobauern, die nachhaltigen Handwerker, die nachhaltig produzierenden Restaurants, viele verschiedene Formen von Therapeuten, Masseuren und Menschen, die andere Menschen in ihrem Prozess oder in ihrem Sein unterstützen. Und bei einer Sache spüre ich die meiste Vorfreude: Wir laden alle Menschen ein, ihre Lösungen auf die Seite hochzuladen. Das kann in Form von Artikeln, von Videos oder von Audiodateien sein. Auf diese Weise sammeln wir für alle Lebensbereiche das, was wir brauchen, um diese neue Erde zu erschaffen. Das kann zum Beispiel ein Rezept für ein nachhaltiges Haarshampoo, eine Bauanleitung für eine Jurte oder eine Anleitung für den eigenen Kompost sein. Es können auch Fragen beantwortet werden wie: Wie gründe ich eine freie Schule? Wie funktioniert eine neue Form von Geldsystem, das ich mir ausgedacht oder vielleicht sogar schon in meiner Region ausprobiert habe? All das kann dann zur Verfügung gestellt werden, damit es in anderen Regionen auch ausprobiert wird. Diese Masse an Informationen ist auffindbar auf der Plattform. Jeder, der eine Frage hat, wie er oder sie etwas machen kann, findet dazu auf LivingEarth.one eine Antwort darauf. Und jeder, der etwas anzubieten hat, kann es der Gemeinschaft, allen Menschen auf der Erde zur Verfügung stellen. Spätestens im Herbst wird ein Teil der LivingEarth-Plattform online gehen.

TV: Wie ist das Manifest entstanden?

Catharina: Das Manifest ist aus dem Bewusstsein entstanden, dass wir unsere Realität selbst durch unsere Gedanken und Gefühlen kreieren. Das heißt, wenn wir unsere Aufmerksamkeit immer auf das Drama lenken und auf die Gefahr, auf Angst evozierende Ereignisse, dann kreieren wir eine Welt, die uns genau das spiegelt. Man kennt das aus dem Gesetz der Anziehung, aus dem Placebo oder Nocebo, dass unsere Gedanken nicht nur einen Einfluss auf unseren Körper haben, sondern dass sie Dinge wie ein Magnet in unser Leben ziehen, mit denen wir uns beschäftigen. Jeder von uns hat damit wahrscheinlich schon Erfahrungen gesammelt und ein Bewusstsein für solche Situationen entwickelt. Vielleicht haben wir dann selbst reflektiert: Oh, was habe ich gerade gedacht? Was habe ich mir gewünscht? Wo war meine Aufmerksamkeit?

»Meine Aufmerksamkeit ist der Schatz, mit dem ich meine Realität kreiere und erlebe.«

Meine Aufmerksamkeit ist der Schatz, mit dem ich meine Realität kreiere und erlebe. Was kommt da raus, wenn ich sie auf das Fernsehen richte oder auf die »Nach-richten«, nach denen wir uns ja richten sollen? Was wird uns da angeboten, was wir denken sollen? Will ich das denken? Ich bin als Kind bereits darauf gekommen, dass ich das nicht denken will, was da aus dem Fernseher kommt. Und außerdem glaube ich das auch nicht.

Es ist ein bisschen so wie der Satz aus Hamlet »There are more things in heaven and earth, Horatio, than are dreamt of in your philosophy«. Wir können auch sagen: »… than are dreamt of in your science.« Es gibt so viel mehr, als uns in der Schule beigebracht wird. Es gibt so viel mehr, als uns auf den Universitäten beigebracht wird. Es ist an der Zeit, dass wir dieses Wissen jetzt wiedererobern, dass wir es wieder in die Schulen bringen und vor allem auch neue Schulen gründen, in die unsere Kinder gerne gehen. Ich kenne im Moment kein Kind, das jeden Tag aus der Schule kommt, lacht und sagt: »Wow, Mami, Papi, schaut mal, was ich gelernt habe!« Stattdessen kommen sie aus der Schule und sind in ihren Smartphones verschwunden, setzen sich vor den Computer und essen ungesunde Dinge. Es wird Zeit, dass wir sie und uns da wieder rausholen und dass wir unsere Lebenskraft und unsere Lebendigkeit wiedererwecken. Das Gleiche gilt für unseren Sinn für das Leben, unseren Sinn, dass unser eigenes Leben das größte Abenteuer ist, das wir niemals irgendwo im Fernsehen oder im Kino oder in irgendeinem Computerspiel erleben können.

Allein unter unseren Füßen, im Humus, gibt es Abenteuerwelten zu sehen. Auf diese darf ich aufmerksam gemacht werden, sodass ich die Verbindung mit meiner Umwelt wieder spüren kann. Ich spüre wieder, woher ich komme und wie wir einander anders begegnen – auf Herzensebene. Es geht nicht mehr darum, dass ich besser, schöner oder erfolgreicher sein muss oder ein größeres Auto fahren, den größeren Garten haben oder die besser erzogenen Kinder haben muss.

»Jedes Kind hat sein eigenes Potenzial und seine eigenen Interessen und die werden größtenteils in der Schule nicht angeboten.«

Erziehung ist auch ein grauenvolles Wort. Es ist eine Form von Dressur und Verstümmelung von Kindern. Jedes Kind hat sein eigenes Potenzial und seine eigenen Interessen und die werden größtenteils in der Schule nicht angeboten. Kinder beginnen daraufhin, sich selber zu bestrafen oder sich selber schlecht zu finden, weil sie die Dinge, die angeboten werden, nicht können. Oder sie hören sogar mit den Dingen auf, die sie interessieren, weil sie in der Schule gut sein müssen, damit sie geliebt werden. Ich denke, weil wir solch einen Wunsch nach Lieben und Geliebtwerden in uns tragen, einen Wunsch, dazuzugehören, ist es so leicht, Menschen zu manipulieren. Wenn ich in der Schule das sage, was ich mir denke, oder fantasievoll bin, dann wird mir das beides entzogen. Dann gehöre ich plötzlich nicht mehr dazu, werde vielleicht sogar nicht mehr geliebt. Früher musste ich mich in die Ecke stellen. Heute bekomme ich ein schlechtes Zeugnis, weil ich meine Lebendigkeit auslebe, weil ich meine Gefühle zeige, weil ich meine Gedanken äußere. Das ist total verrückt. Irrsinn! Das ist Verstümmelung auf allen Ebenen. Wir müssen das sofort ändern!

Das ist auch kein utopischer Gedanke. Ich habe gerade mit Ricardo Leppe viel zu tun. Er ist einer unserer Weisenräte. Ich kann nur empfehlen, auf seine Seite wissenschafftfreiheit.com zu gehen. Ricardo zeigt Eltern, wie sie ihre Kinder unterstützen können. Und vor allem hilft er in der ersten Phase seiner Vision einer neuen Form von Schule, den Kindern, dass sie den ganzen Mist, den sie lernen müssen, auch mit Spaß zu lernen. Das ist so großartig. Und er zeigt auch auf, wie sich Schule entwickeln kann, hin zu einem Abenteuerspielplatz. Dafür brauchen Kinder Freiheit für den ihnen innewohnenden Abenteurergeist und die Räume, die ihnen ermöglichen, die Freude am Leben zu entwickeln. Das Gleiche gilt für die Freude am Fühlen und die Freude an Erfahrungen, sogar von Schmerz, von Wut und von Angst. Sie können lernen, nicht damit identifiziert zu sein, sondern zu beobachten, wie zum Beispiel auf der Leinwand ihres Bewusstseins Angst auftaucht. Das ist ein Gefühl, das mit Körperzellen in Resonanz geht. Aber ich muss nicht mehr Angst vor der Angst haben, sondern kann das Geschenk, die Botschaft dahinter entdecken. Da gilt es, etwas anzuschauen und kreativ zu werden. Oder vielleicht gilt es, mich vor etwas zu schützen oder Grenzen zu sprengen. Das ist Lebendigkeit.

TV: Ja, es lässt sich viel lernen. Du sprachst gerade die Weisenräte an. Was sind die Aufgaben von den Weisenräten?

Catharina: Unsere Weisenräte sind wunderbare Menschen, die sich für spezielle Bereiche des Lebens besonders interessieren und so zu Leuchttürmen auf diesem Gebiet geworden sind. Auf der einen Seite sind sie so lieb, uns als Berater zur Seite zu stehen, und auf der anderen Seite werden wir sie bitten, dass sie ihre Weisheit in die LivingEarth fließen lassen, indem sie uns beispielsweise Übungen, Bauanleitungen und Rezepte zur Verfügung stellen. Sie teilen auch ihr Wissen in Form von Artikeln mit uns, mit denen wir die Plattform füllen können. Nach und nach werden dann auch Artikel von anderen Menschen auf der Plattform erscheinen. Wir rechnen damit, dass sich sehr viele Menschen beteiligen. Schon jetzt ist die Begeisterung sehr groß. 

»Wir wollen eine neue Form des Miteinanders und einen neuen Umgang miteinander.«

Wir haben zum Beispiel ein Crowdfunding gemacht, wo über 1.100 Menschen gespendet haben. Mit diesem Geld können wir die Plattform programmieren. Die Weisenräte stehen uns auch zur Verfügung, wenn wir Fragen haben, fachliche Fragen, aber auch menschliche Fragen. Und sie unterstützen auch die Gruppenprozesse während der Aufbauphase und sicherlich auch in der Anfangsphase, wenn das Ganze zu laufen beginnt. Denn wir wollen eine neue Form des Miteinanders und einen neuen Umgang miteinander ganz praktisch leben.

TV: Als ich mir das Manifest angeschaut habe, habe ich einiges über Bewusstsein und Bewusstseinsentwicklung gelesen. Wie fügt sich das Thema »Spiritualität und Glaube« da ein?

Catharina: Es fügt sich sehr, sehr gut ein. Wie man am Anfang des Manifests lesen kann, gehen wir davon aus, dass wir einen göttlichen Funken in uns tragen, dass wir reines Bewusstsein sind, reine Liebe, und dass unsere Essenz nicht sterben kann. Wir denken auch, dass wir für eine bestimmte Zeit in einen Körper inkarnieren und dass das Leben, wenn wir exkarnieren, nicht zu Ende ist, sondern dass dieser eine Abschnitt, dieses »Erlebnis Menschsein«, mit diesem einen bestimmten Namen und mit diesem einen bestimmten Körper, einen Abschluss gefunden hat. Meine persönliche Erinnerung und mein inneres Wissen, und die sind jetzt nicht Teil des Manifests, sagen auch, dass es nicht das einzige Leben ist.

»Wer sind wir, dass wir jemandem vorschreiben können, was er denken soll? Wir können nur inspirieren.«

Wir glauben an ein göttliches Wesen, das aber auch Allah, Brahman, Quelle, Ursprung oder anders genannt werden darf. Wir gehören keiner Religion an. Wir gehören auch keiner großen oder kleinen Gruppierung an. Wir haben gerade einen gemeinnützigen Verein gegründet. Das ist der Einzige, dem wir mit dem Manifest angehören. Den Verein brauchen wir, damit wir die Plattform aufbauen können und auch einen rechtlichen Rahmen haben. Ansonsten ist alles frei von Dogmen. Mit dem Manifest machen wir einen Vorschlag, wir geben eine Inspiration, eine Vision. Jeder darf das glauben, was er für richtig hält. Und er darf morgen was anderes glauben, weil er eine neue Erfahrung gemacht hat. Wer sind wir, dass wir jemandem vorschreiben können, was er denken soll? Wir können nur inspirieren.

TV: Was sind die nächsten Schritte, die ihr unternehmen werdet?

Catharina: Primär steht jetzt der Aufbau der Plattform LivingEarth an, damit wir möglichst vielen Menschen auf der ganzen Welt in Kürze diese Plattform anbieten können. Wir möchten, dass die Menschen sich vernetzen können, dass sie ihre Projekte vorstellen können, dass sie Lösungen finden und dass sie ihre Lösungen anbieten können. In weiterer Folge werden wir Seminare anbieten, Festivals organisieren. Wir werden Menschen und Projekte zusammenführen. Wir spüren gerade sehr stark, dass wir für Kinder und Jugendliche da sein möchten, um ihnen zu zeigen, was für ein Wunder sie sind und was für eine wunderschöne Zukunft wir alle gemeinsam gestalten können.

TV: Magst du noch etwas hinzufügen, was dir auf dem Herzen liegt?

Catharina: Ich freue mich so über jeden Einzelnen, der oder die das Manifest liest oder auch anhört. Es gibt auch ein Video dazu, weil allein der Akt des Lesens und des Entstehenlassens dieser wunderbaren, heilsamen Bilder in uns wiederum das Informationsfeld, mit dem wir kollektiv alle verbunden sind, nährt. Je mehr Menschen das tun und je öfter sie es tun, desto stärker wird dieses Feld. Ich hörte von Menschen, die sagen, sie lesen es fast jeden Tag, weil sie diese Bilder und diese Vorfreude auf die neue Erde in sich spüren wollen und sich auch inspirieren lassen wollen, was sie jeden Tag selber aktiv tun können. Verschickt es, verteilt es! Es gibt keine »Hürde«. Man muss sich nicht irgendwo anmelden, um daran mitzuwirken. Wir freuen uns natürlich, wenn ihr den Newsletter abonniert, weil wir euch dann Informationen über die Plattform oder Tools schicken können und euch über unsere Veranstaltungen auf dem Laufenden halten können. Wir machen auch Zoom-Treffen. Jedes Mal fließen Tränen der Berührung, und manche Menschen wollen gar nicht mehr aus dem Zoom-Raum rausgehen. Bei einem dieser Treffen hat eine Frau etwas so Schönes gesagt. Sie sagte: »Seit ich mit euch in Berührung gekommen bin«, und das war bei einem unserer ersten Seminare, die wir veranstaltet haben, »habe ich keine Angstzelle mehr in meinem Körper.«

TV: Ja, das Manifest macht eine sehr positive Ausrichtung, wenn man es liest. Man bekommt die Vision von etwas Gutem, Neuem.

Catharina: Und es ist möglich, oder? Spürst du das auch?

TV: Ja, definitiv! Und die Zeit ist reif.

Catharina: Oh, ja, die Zeit ist reif!

TV: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Stefanie Aue.

Zur Interviewten:

Mit ihren AWAKE-Filmen, dem Manifest der neuen Erde, ihren Blogs, Videos und in ihren Workshops inspiriert Catharina Roland in ihrer lebendigen, herzlichen Art dazu, sich daran zu erinnern, wie wir das Paradies in uns selbst finden und im Außen leben können.

thenewearthmanifesto.com

Bildnachweis: © Adobe Photostock

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