Weiblicher Wanderer blickt von einem Berg in ein bewaldetes Tal

Dirk Grosser – Wandernde Weisheit

Über Wege, die gegangen und nicht nur gedacht werden

Wir Menschen sind denkende und manchmal – in seltenen Augenblicken – sogar vernunftbegabte Wesen. Unser Gehirn ist in der Lage, die erstaunlichsten Dinge hervorzubringen: von homerischen Epen über den kategorischen Imperativ bis zur Quantenmechanik, von wunderbarer Poesie und der Nikomachischen Ethik bis zum Hubble-Teleskop haben uns die rund 1,3 Kilogramm graue Masse in unserem Kopf auf einzigartige und faszinierende Wege geführt, die uns die Welt immer tiefer verstehen lassen. Doch sind wir bei aller Wertschätzung unserer geistigen Fähigkeiten mehr als nur unser Denken, sind nicht grundlos verkörperte Wesen, deren Erlangung von Weisheit und Glück auch davon abhängt, wahrhaft berührt zu werden und zu berühren.

Zur menschlichen Erfahrung gehört daher nicht nur die intellektuelle Auseinandersetzung mit den Phänomenen, die uns begegnen. Die Welt will gespürt, geschmeckt und gerochen werden, Emotionen finden ihren Widerhall im Körper, unsere ganz eigenen Rhythmen korrespondieren mit den Rhythmen der Welt, und Sinn und Sinnlichkeit gehören nicht nur bei Jane Austen zusammen. Auch das Göttliche lässt sich nicht allein denken. Es will gefunden, erfühlt, erwandert werden. So führt ein spiritueller Weg, der sich dem Echten verschreibt, nicht nur durch Bibliotheken, sondern ebenso durch Wälder, über Felder, entlang traditioneller wie auch selten gegangener Pfade, entlang der eigenen Atemzüge hinein in eine Tiefe, die auch in unserem Körper spürbar ist. Nicht umsonst sprechen wir davon, dass uns etwas im Herzen berührt oder unser Herz weit macht.

Das Sehen von Schönheit verwandelt unsere Seelen, das Schmecken einer salzigen Brise lockt unsere Abenteuer- und Entdeckerlust hervor, das Riechen eines frischen Apfelkuchens weckt unsere Verbindung zur Vergangenheit, das Spüren der Berührung eines geliebten Menschen lässt uns ein abstraktes Wort wie »Zuhause« auf sehr direkte Weise erfahren, das Hören eines Musikstücks löst Freude, Trauer, Zartheit oder unbändige Energie in uns aus. Und das Gehen eines Weges lässt uns Weite, Vorankommen, Absichtslosigkeit oder auch die nomadische Qualität unseres Geistes ganz konkret mit den Füßen erkunden.

Aufbruch ins Unbekannte

Es beginnt mit einem einzigen Schritt und dem Öffnen unserer Sinne. Ein weiterer Schritt und noch einer. Der aufrechte Gang, der uns so selbstverständlich erscheint und der doch ein Wunder ist, das unsere Spezies geformt hat. Menschen in Bewegung, Menschen in Verbindung – unsere Vorfahren, die umherzogen, die die flirrende Luft vor einem Gewitter spürten, die die Sprache des Windes beherrschten und dem Geräusch des trockenen Savannen-Grases unter ihren Füßen lauschten. Ab und an werden unsere Körper von dieser alten Sehnsucht ergriffen, sich der Natur auszusetzen und echte Erfahrungen zu machen statt sich mit virtuellen Imitaten zufriedenzugeben.

»Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, (…) dem eigentlichen, wirklichen Leben näherzutreten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hatte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte (…) Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde« [1] , schrieb Henry David Thoreau 1854 in seinem Klassiker der Alternativkultur Walden.

Er formulierte damit etwas, das uns auch heute noch berühren kann … Das Vertraute verlassen, alles Unechte hinter sich bringen und wirklich in Beziehung zur Welt treten – kurz gesagt: sich auf den Weg machen. Die Füße berühren den Boden, Wind sowie der Geruch nach Harz und Tannennadeln umfangen den Körper, das Denken wird still und zugleich weit, empfänglich.

»Das Vertraute verlassen, alles Unechte hinter sich bringen und wirklich in Beziehung zur Welt treten – kurz gesagt: sich auf den Weg machen.«

Der Weg selbst wird zur Übung, sich auf das Neue einzulassen, die eigenen Pläne für ein paar kostbare Momente zu vergessen. Stephen Graham fasste diese innere wie äußere Bewegung mit kurzen Worten zusammen: »Wandern ist das Abweichen vom Naheliegenden.« [2] Wie recht er hat! Ereignen sich die tiefsten spirituellen Erfahrungen doch oft jenseits der bequemen Pfade – dort, wo wir nicht mehr wissen, was kommt, wo wir uns dem Moment hingeben, unsere Schritte ihren eigenen Weg entdecken lassen.

Lernen in Bewegung

Wir streifen durch die Wälder, gehen dem Licht nach, das durch grün belaubte Zweige scheint, währenddessen unsere Gedanken in eine heilige Ruhe eintauchen, wir tiefer sehen lernen und uns durch all das, was uns begegnet, verwandeln lassen. Es ist fast, als würde die Natur ihre Samen der Schönheit in unsere Seele pflanzen, wo sie aufgehen, wachsen und uns vom großen Geheimnis erzählen. »Derart ist der unaussprechliche, doch erkennbare und zugängliche Sinn der Welt dem Menschen, diesem unsterblichen Schüler, in jeder Sinneswahrnehmung gegeben. Zu diesem einen Ziele der Schulung verbinden sich alle Teile der Natur« [3] , sagte Ralph Waldo Emerson. Und dieser Schulung werden wir nur gewahr, wenn wir uns der Natur öffnen, uns in ihr bewegen und uns von ihr bewegen lassen. Gehen ist hier Metapher und Praxis zugleich, bei der auch vermeintliche Hindernisse ihren Wert haben und uns weiter reifen lassen. So wie auch schon Marc Aurel wusste, dass das, was uns den Weg zu versperren scheint, oft selbst zum Weg wird. [4]

Denken mit dem ganzen Körper

Wenn wir gehen, öffnen wir uns dem, was sich in der Bewegung offenbart – das Denken wird vom Kopf auf den ganzen Körper übertragen, Erkenntnis durch eine Form sinnlicher Intelligenz gewonnen. Dabei kommt es dann mehr auf Rhythmus, auf den Atem und die Sinneseindrücke an als auf Begrifflichkeiten und ihre korrekte Verwendung. Wir müssen das Tier nicht benennen, das uns auf einer Lichtung unvermittelt in die Augen schaut; wir müssen nicht den lateinischen Namen jedes Farns kennen, der sich auf zauberhafte Weise in den frühen Morgenstunden entrollt; wir müssen auch nicht die biochemischen Verbindungen der Terpene verstehen, die im Duft des Waldes gegenwärtig sind – es genügt, dass wir mit all dem sind, uns mit all dem diesen Augenblick teilen und uns daran erfreuen, welche Wunder uns umgeben. Wunder, zu denen auch wir selbst und unser Körper gehören!

Die moderne Embodiment-Forschung zeigt ebenfalls, dass unser Denken nie losgelöst vom Körper stattfindet. Kognition findet innerhalb eines realen Raumes statt, innerhalb der sinnlich wahrnehmbaren Welt. Zugleich tragen Greifen, Gehen, Gestikulieren, rituelle Bewegungen und andere körperliche Handlungen dazu bei, dass sich Gedanken überhaupt erst formen oder abgerufen werden können. [5]  Der Körper ist also kein Anhängsel des Geistes oder einzig vom Intellekt bewegte Materie – er ist Auslöser und Resonanzraum des Denkens in einem fruchtbaren Miteinander.

»Die moderne Embodiment-Forschung zeigt ebenfalls, dass unser Denken nie losgelöst vom Körper stattfindet.«

Der französische Philosoph Maurice Merleau-Ponty schrieb: »Ich bin mein Körper, zumindest bin ich über ihn in der Welt.« [6] Für ihn war der Körper nicht bloß Objekt, auf den der Geist sozusagen »von oben« oder »von innen« schaut, sondern Subjekt – ein fühlendes, wahrnehmendes Wesen, das sich die Welt erschließt, noch bevor ein Wort gesprochen wird. In ähnlicher Weise betonte der Psychologe und Focusing-Begründer Eugene T. Gendlin, dass wir nur dann zu stimmigen Einsichten gelangen, wenn wir die leise Rückmeldung des Körpers einbeziehen. Für ihn ist der »Felt Sense« – das körperlich gespürte Gesamtempfinden – oft klüger als unsere linear orientierten Gedanken. »Den Felt Sense suchen Sie dort, wo Sie ohne Worte etwas wissen und in Ihrem Körper empfinden« [7] , schreibt er.

Die Wahrnehmung unserer selbst und der Welt während einer Wanderung ordnet daher nicht nur Muskeln, Sehnen und Gelenke, sondern auch Gedanken und Empfindungen. Intuition und Intellekt arbeiten zusammen; Bauch, Herz und Hirn harmonieren, werden von unseren Schritten geklärt, von unserem Atem umfangen und beim Blick auf die Landschaft in Balance gebracht.

Wir spüren unseren Körper, die Füße, die den Boden berühren, die Durchblutung unserer Muskeln und das Schwingen unserer Arme. Wir sind ganz bei uns selbst und dennoch völlig in der Welt; wir sind innen und außen, Beobachter und Beobachtetes, wir sind Meditation in Bewegung. Leib und Seele, Denken und Fühlen kommen in Einklang – und ganz plötzlich tauchen die besten Ideen, die stimmige Lösung oder eine tiefe Einsicht auf.

Jeder Tag eine Heldenreise

Wandern ist aber nicht nur Bewegung im Raum, sondern in noch tieferem Sinne Bewegung im Sein. Es ist Aufbruch, Abenteuer, Rückkehr, und damit ein Urmuster, das uns sowohl in der Mythologie als auch in der Psychologie und ebenso im Alltag begegnet. Der US-amerikanische Mythologe Joseph Campbell bezeichnete dieses Muster als die »Heldenreise«: Der Held verlässt das Gewohnte, überschreitet eine Schwelle, betritt das Unbekannte, durchläuft Prüfungen, begegnet seinem Schatten, integriert diesen und kommt verändert zurück. Eine Reise, die auch unzähligen erfolgreichen popkulturellen Formaten wie Star Wars, Harry Potter oder auch Herr der Ringe zugrunde liegt und uns aus gutem Grund immer wieder anzusprechen vermag, da es das Grundmotiv des menschlichen Weges auf dieser Erde ist.

Wenn wir uns zu Fuß auf den Weg machen – ganz gleich ob durch Wald, Gebirge, Wüste oder einfach hinaus in die Weite –, folgen wir genau diesem Muster. Zuerst kommt der Ruf: Ein Bedürfnis nach Veränderung, nach Weite, nach Neuem, eine Sehnsucht, die sich nur durch Unterwegssein stillen lässt. Wir überschreiten eine Schwelle – verlassen ganz bewusst den Alltag, unsere Komfortzone, die zwar behaglich scheint, uns aber nicht mehr wachsen lässt. Wir gehen Schritt für Schritt und ahnen dabei vielleicht schon, dass wir auf diesem Weg uns selbst begegnen werden.

»Der Weg selbst wird zur Übung, sich auf das Neue einzulassen, die eigenen Pläne für ein paar kostbare Momente zu vergessen.«

Die ersten Prüfungen tauchen auf, wenn der Körper müde wird, die Wetterlage schwankt, unerwartete Dinge geschehen, der eigene Schatten sich im Aufgeben-Wollen zeigt und wir uns am liebsten am Wegesrand zusammenrollen würden. Doch gerade in diesen Momenten geschieht etwas Wesentliches: Wir lassen los, entledigen uns nicht mehr benötigter Strukturen, hinterfragen unsere bisherigen Konzepte und Theorien … und gewinnen Freiheit. Die Grenzen, die uns zuvor vermeintliche Sicherheit gaben, lösen sich auf und schenken uns so Weite.

Wir gehen noch ein Stück, lassen irgendwann auch unseren suchenden Geist zurück und entdecken einen Schatz, den wir schon die ganze Zeit mit uns herumtrugen, den wir jedoch nie wirklich zu fassen bekamen. Jetzt, wo wir mit unserem Geist im Körper angekommen sind, können wir ihn spüren und uns von seinem Segen erfüllen lassen.

Und so kehren wir mit einem neuen Blick auf die Welt und unser Leben zurück in unseren Alltag, sind transformiert und eine erweiterte Version unserer selbst, da nicht nur wir, sondern auch der Berg, das Tal und der Weg in uns Wohnung genommen haben. Wir stellen fest, dass Tolkien recht hatte, als er sagte, dass nicht jeder, der wandert, verloren sei. [8] Manch einer findet sich auch bei jedem Schritt dieser spirituellen Reise.

Das Wandern der Mystik

Der Weg und das Wandern sind nicht umsonst nahezu allgegenwärtige Metaphern in spirituellen Traditionen. Auch hier findet sich ein Prozess von Aufbruch, Transformation und Rückkehr, wobei hier ebenfalls oft Begriffe wie Reinigung, Erleuchtung und Eins-Sein beziehungsweise via purgativa, via illuminativa und via unitiva verwendet werden. Doch ob wir Heldenreise oder spirituelle Reise sagen oder ob wir diese Begriffe synonym verwenden, es geht doch immer um das eigene Sich-Öffnen für etwas Neues, das Annehmen eines Geschenks und das Teilen dieses Geschenks mit anderen. 

Wir werden aufgefordert, uns zu bewegen, loszulassen, unser Innerstes zu entrümpeln, unnütze Bindungen abzustreifen und offen und verletzlich zu sein. Wir halten uns selbst in dieses Neue hinein, und etwas trifft uns, ergreift uns, wandelt uns. Etwas scheint in uns auf und schenkt uns Frieden, lehrt uns Mitgefühl, legt den Samen für echte Weisheit. Und dann kehren wir zurück in einen Alltag, der gleich und doch so anders ist. Wie es in einer alten Zen-Geschichte heißt: »Vor der Erleuchtung: Holz hacken und Wasser holen. Nach der Erleuchtung: Holz hacken und Wasser holen.« Alles scheint gleich und doch ist alles im Angesicht einer größeren Wahrheit verwandelt. Wir sind andere und zugleich mehr zu uns selbst geworden. Voraussetzung bei all dem ist die Bereitschaft, sich auf den Weg zu machen und in gewissem Sinne über uns selbst hinauszugehen.

Wanderer sitzt auf einem Berg und betrachtet den Sonnenuntergang

Und auch wenn dieses Sich-auf-den-Weg-machen nicht immer wörtlich gemeint ist, gab und gibt es doch in vielen Traditionen das Wandern als echte und ganz konkrete Ritualhandlung, ein Pilgern, das nichts anderes ist als ein Beten mit den Füßen und dem ganzen Körper. Unterstützt von der Landschaft, die uns Freundin und Begleiterin wird, lüften wir den Schleier unserer begrenzten Sichtweisen und erfahren im Gehen, dass ein solches Nicht-Verharren sehr heilsam sein kann. Der Rhythmus unserer Schritte wird zum Rhythmus unserer Katharsis. Der Schritt vorwärts, das Heben des Fußes, das Atmen in der Weite, der Blick zum Horizont – all das sind im wahrsten Sinne Erkenntnisbewegungen. Erkenntnisbewegungen, die sich nicht erst ab Kilometer 650 einstellen, sondern mit jedem Schritt wirksam werden können, und die sich nicht nur in Santiago de Compostela, sondern auch im Stadtwald um die Ecke offenbaren.

Das fließende Geheimnis

Einen spirituellen Weg zu gehen, bedeutet also nicht zwangsläufig, für immer auf einem Meditationskissen sitzen zu bleiben. Das fließende Geheimnis der Welt, das Heilige, das Dao, oder wie immer wir es nennen wollen, lädt uns ein mitzufließen, uns durch es hindurch zu bewegen, um es zu spüren und uns besser darauf einzulassen. Vom britischen Dichter der Romantik William Wordsworth wird erzählt, dass ein Reisender eines Tages seinen Studienraum sehen wollte. Wordsworth’ Haushälterin öffnete bereitwillig die Türen und sagte: »Hier ist seine Bibliothek, aber sein Arbeitszimmer ist da draußen.« [9]  Da draußen … Dort, wo wir uns die Weisheit erwandern, wo wir uns dem Mysterium wie dem Wetter ungeschützt aussetzen, wo wir im übertragenen Sinne »nackt« auf dem Weg sind, uns von der Welt berühren lassen, und mit den Füßen alles lernen, was wir benötigen. Unser Verstand ist unbestritten ein feines Instrument, das uns erlaubt zu reflektieren, zu analysieren, zu träumen. Das Denken ist eine große Gabe – doch bei Weitem nicht die einzige. Denn wir sind auch fühlende, atmende und nicht zuletzt gehende Wesen. Wir sind Körper, in deren Bewegung sowohl Verstehen als auch Lebendigkeit liegen.


Segen deiner Wanderung

Möge dein Weg sich mit jedem Schritt
 wie von selbst unter deinen Füßen entfalten
 und dich stets wissen lassen,
 dass du inmitten grüner Hügel,
 auf schneebedeckten Bergen und in trockenen Wüstentälern
 gleichermaßen zuhause bist. 

Möge dieser Weg in der Tiefe deiner Seele
 seinen Anfang nehmen
 und dich immer wieder dorthin zurückführen –
 in die Stille zwischen den Tönen,
 in die Pause zwischen zwei Gedanken,
 in das Staunen über die Wunder am Wegesrand,
 in die Dankbarkeit ob der Reise selbst. 

Möge dein Gepäck leicht sein
 und dich in jedem Moment frei atmen lassen,
 mögest du nichts mit dir herumschleppen,
 was du für diese Reise,
 für diesen Augenblick,
 für diesen Schritt nicht brauchst. 

Mögest du ohne vorgezeichnete Karte auskommen
 und dich von unverlangten Wegbeschreibungen fernhalten –
 mögest du ein lebendiger Strom innerhalb deiner Tradition sein
 oder gänzlich jenseits jeder Tradition wandern,
 einfach unterwegs,
 in die Weite wachsend
 und die Welt werdend. 

Möge dir das Heilige stets
 in seinen allerbesten Verkleidungen begegnen:
 als schlichte Amsel in einem Baum,
 als Plätschern eines kleinen Baches,
 als freundlicher Blick eines fremden Hundes,
 als genau der Mensch,
 der gerade ein Stück mit dir geht. 

Mögest du pilgern ohne Ziel
 und suchen ohne Verzweiflung,
 mögest du deinen eigenen Sinn erschaffen
 und dich damit wohlfühlen,
 namenlos in einem namenlosen Kosmos
 umherzureisen. 

Mögest du glücklich auf einer unendlichen Reise sein
 und möge dein Weg ein guter Weg sein.

Dirk Grosser

aus: Möge dein Weg gesegnet sein, Edition Spuren

 

Endnoten

    1. Henry David Thoreau: Walden, Diogenes Verlag, Zürich 1979, S. 98↩︎
    2. Stephen Graham: Die Kunst des stilvollen Wanderns, Harper Collins, Hamburg 2020, S. 82↩︎
    3. Ralph Waldo Emerson: Natur, Diogenes Verlag, Zürich 1982, S. 62↩︎
    4. Vgl. Marc Aurel: Selbstbetrachtungen V, 20↩︎
    5. Vgl. Lawrence W. Barsalou: Grounded Cognition. In: Annual Review of Psychology 59 (2008), S. 617–645.↩︎
    6. Merleau-Ponty, Maurice: Phenomenology of Perception. London: Routledge & Kegan Paul, 1962, S. 173↩︎
    7. Eugene T. Gendlin: Focusing, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1998, S. 108↩︎
    8. Vgl. J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe, Band 1 – Die Gefährten, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1988, S. 212↩︎
    9. Zitiert in Henry David Thoreau: Über das Wandern, Nikol Verlag, Hamburg 2018, S. 13↩︎

Zum Autor

Dirk Grosser, geb. 1971, ist freier Autor mit zahlreichen Buchveröffentlichungen, Meditationslehrer und Chefredakteur der Tattva Viveka. Mit seinen Hunden ist er täglich im Wald unterwegs, um das zu lernen, was seinen vierbeinigen Freunden von Natur aus zu eigen ist.

Webseite: dirk-grosser.de

Bildnachweis: © Adobe Stock, Dirk Grosser

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