Der Jardin du Merlin: Ein Mystischer Platz im Elsass

Roland Roth – Geheimnisvolles Wissen im »Verlorenen Eck«

Der Jardin du Merlin: Ein Mystischer Platz im Elsass

Mystische Stätten in der Region um das Elsass sind keine Seltenheit. Auf seinen Expeditionen zu solchen verlorenen Orten der Vergangenheit war unser Autor Roland Roth auf der Suche nach dem sogenannten »Verlorenen Eck« nahe der französischen Gemeinde Rosheim. Hierbei handelt es sich um einen mystischen und spirituellen Ort, der auch »Merlins Garten« genannt wird. Dabei hat er einige spannende Details herausgefunden.

Mysterien im Elsass

Gerade die Region um das Elsass bis hinein in den Pfälzer Wald sind wahre Hotspots für Spuren aus der mythischen Vorzeit. Diesmal war ich auf den Spuren alter Kultplätze. Mein Ziel bei dieser »Tour in die Vergangenheit« war das sogenannte »Verlorene Eck«, mitten im Wald gelegen, nahe den Bergen Purpurkopf und Heidenkopf. Allein die heidnischen Namen der Berge lassen schon aufhorchen.

Die »Route du S‘Verlorene Eck« führt den geneigten Besucher direkt zu diesem wunderschönen und verwunschenen Ort. Merlins Garten wird er auch genannt, der ungefähr 25 Autominuten vom mystischen Mont Sainte-Odile entfernt liegt. Hier findet man einige uralte Orte, wie den steinernen Wall der Heidenmauer, die sich um die Abhänge des Berges herum zieht. Mein Ziel war diesmal der Garten Merlins. An einem friedlichen Platz liegt der Jardin du Merlin einsam im Wald. Märchenhaft wird er von einem kleinen Bach umrahmt. Ein scheinbar vergessener Platz, der spannende Objekte zeigt, beispielsweise Steinreihen und Steinkreise, einen Versammlungsort, einen Dolmen, der einen gravierten Stein überdacht und eine Art steinernen Schreibtisch. Wunder aus ferner Zeit, vergessen von der modernen Welt? Einzelne Menhire sind unterschiedlich in Größe und Breite, umrahmen fast schon mystisch diese wunderschöne und einsame Stätte.

»Jedoch bin auch ich davon überzeugt, dass von vielen steinernen Monumenten in unserer Welt subtile Energien ausgehen.«

Diesen ruhigen Ort möchte ich glattweg entspannend nennen und obschon man hier eine Wanderhütte vorfindet, scheint dieser Ort nicht allzu oft besucht zu werden. Hin und wieder finden sich spirituell interessierte Menschen an diesem Platz. An diesem Tag bin ich, in Begleitung mit meiner Frau und unserem Hund Fritz, den ganzen Tag allein an diesem wunderschönen Ort. Genug Zeit für Fotos und Untersuchungen. Fritz ist immens aufgeregt, schnüffelt überall herum, an einigen Megalithen weicht er fast erschrocken zurück. Ist es Ehrfurcht vor dem Unbekannten oder spürt die Fellnase wieder einmal mehr als ich? Zugegeben, ich bin der eher nüchterne Forscher. Jedoch bin auch ich davon überzeugt, dass von vielen steinernen Monumenten in unserer Welt subtile Energien ausgehen. Über deren Sinn und Ursprung gilt es, mehr über unsere Vergangenheit zu erfahren.

Getrennt von einer kleinen Forststraße befinden sich weitere steinerne Objekte auf der gegenüberliegenden Seite des Bächleins. Hier befindet sich auch ein kleiner Dolmen oder Tisch, umrahmt von einzelnen Felsen.

Das Mineral ist die Erinnerung an das Universum

Es ist nicht genau bekannt, wer diesen mysteriösen Ort geschaffen hat und wann. Welchem Zweck diente er? Symbole an den Steinen zeigen seltsame Formen. Einige neuzeitliche Einkerbungen sind offenbar noch nicht allzu lange Zeit vorhanden. Hinweise gibt es auf Umgestaltungsarbeiten im Jahre 1995. Auch gibt es dort einige Infotafeln in französischer Sprache. Mein Französisch ist etwas eingerostet, aber vieles kann ich schon vor Ort lesen. Sie zeigen vorwiegend eine Übersicht der Lage der Steine und Kreise sowie Botschaften und Zitate.

Der Jardin du Merlin: Ein Mystischer Platz im Elsass

Ein mysteriöser Ort: Jardin du Merlin (Merlins Garten)

Auf einer großen Informationstafel findet sich die Bezeichnung »Der Steinkreis Merlins Garten« und der mysteriöse Satz: »Solange du nur die Sterne über dir siehst, hast du nicht den Blick des Wissens«. Dies entstammt wohl einem Zitat, das Friedrich Nietzsche zugeschrieben wird: »Der Weise als Astronom. – Solange du noch die Sterne fühlst als ein ›Über-dir‹, fehlt dir noch der Blick des Erkennenden.« (Jenseits von Gut und Böse, Aph. 71)

Eine weitere Information auf der rechten Ecke der Tafel lässt mich aufmerksam werden. Hier liest man die immens tiefsinnige und gleichwohl rätselhafte Weisheit »Das Mineral ist die Erinnerung an das Universum«. Steinen wird seit jeher die Rolle des Hüters des prähistorischen Gedächtnisses zugeschrieben. Rupert Sheldrakes Gedächtnis des Universums in Form der morphogenetischen Felder kommt mir in den Sinn. 1981 stellte der britische Autor und Biologe eine Hypothese auf, nach der sogenannte morphische Felder existieren, die die Entwicklung von Strukturen beeinflussen sollen. Geomantische Untersuchungen von Wünschelrutengängern deuten darüber hinaus darauf hin, dass das ganze Areal entlang von Energieadern errichtet wurde. Zudem sind die Steine offenbar nach astronomischen Gesichtspunkten ausgerichtet und stehen in Verbindung mit unserem Sonnensystem.

Ein Abbild des Planetensystems

Einige der Steine symbolisieren offensichtlich die Planeten und die Sonne. So findet sich auf einer Tafel eine Abbildung und die Bezeichnung einzelner Steine, die Planeten wie Mars, Jupiter oder Saturn symbolisieren, darunter auch der Mondstein und der große Sonnenstein. Auch der Merkur wird als kleinerer Stein dargestellt. Hinter dem Sonnenstein befinden sich große Dolmen und neben dem Sonnenstein findet sich eine Dreiergruppe Menhire. Sie werden als »Zeichen des Feuers« bezeichnet.

»Was nicht hier ist, ist nirgendwo, was hier ist, ist überall.«

Ein weiterer Menhir neben der Planetengruppe soll die Frühlings-Tagundnachtgleiche darstellen und auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich dementsprechend der Stein für die Tagundnachtgleiche im Herbst. Die Tagundnachtgleiche wird auch als Äquinoktium bezeichnet, hierbei werden die beiden Kalendertage eines Jahres genannt, an denen lichter Tag und Nacht etwa gleich lang sind. Ein Nordstein stellt die Wintersonnenwende dar und ein Südstein hinter dem Sonnenstein die Sommersonnenwende. So zumindest lautet die offizielle Interpretation vor Ort. Unweit dieser Anordnung finden sich steinerne Bänke und ein Steinkreis sowie ein Steinblock auf Felsplattformen. Darüber hinaus einige kleine Dolmen.

Das Weltall ist ein Kreis

Auf einer weiteren Tafel finden sich noch zusätzliche Informationen. Hier steht der Satz »Was nicht hier ist, ist nirgendwo, was hier ist, ist überall« in der linken oberen Ecke. Dies erinnert mich an ein Zitat von dem römischen Philosophen und Naturforscher Lucius Annaeus Seneca (1–65 n. Chr.), der in seinem Werk »Moralische Briefe an Lucius« schreibt: »Nirgendwo ist der, der überall ist.« In der rechten unteren Ecke der Tafel steht: »Das Weltall ist ein Kreis, dessen Mittelpunkt überall, dessen Umfang nirgends ist«. Darunter steht als Verfasser Heraklit, allerdings wird der Satz Blaise Pascal (1623–1662) zugesprochen, dem französischen Religionsphilosophen, Naturwissenschaftler und Begründer der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Hier werden also mathematische Gesichtspunkte auf den Jardin du Merlin projiziert. Aber auch der Philosoph Heraklit von Ephesos (um 520–460 v. Chr.) setzte sich mit dem Verhältnis von Gegensätzen auseinander, wie etwa von Tag und Nacht, Wachsein und Schlafen, Eintracht und Zwietracht und sah diese Gegensätze in einer spannungsgeladenen Einheit gegenüberstehend.

»Merlin taucht als Zauberer und Ratgeber in der Artussage auf.«

Die Suche nach dem Gral wird unter der Überschrift »Der runde Tisch« auf einer weiteren Tafel beschrieben: »Einst gab es den runden Tisch, der auf Anraten von Merlin und von großer Bedeutung eingerichtet wurde. Wir nennen es runden Tisch, um durch die Rundheit der Welt den Verlauf der Planeten und den Verlauf der Sterne am Firmament in himmlischen Umdrehungen darzustellen. Wir können auch sagen, dass der runde Tisch die Welt darstellt.«

Der Name Merlin könnte vom walisischen »Myrddin« stammen. Bis heute ist die Echtheit dieser Person nicht zweifelsfrei nachgewiesen. Merlin taucht als Zauberer und Ratgeber in der Artussage auf. In der Erzählung »Histoire de Merlin« wird er zum Lehrer von König Artus. Sowohl die Tafelrunde als auch die Suche nach dem Gral soll auf Merlin zurückgehen.

Werden hier also mithilfe der Steine das heliozentrische Weltbild und die Ordnung des Universums dargestellt? Hat dieser Ort wirklich etwas mit Artus und der Suche nach dem Gral zu tun? Noch immer suchen Glücksritter nach dem kostbaren Gefäß. Oder ist der Heilige Gral gar kein Gefäß? Wird der Ort deshalb »Merlins Garten« genannt? Die Legende um den Heiligen Gral erschien im späten 12. Jahrhundert in der mittelalterlichen Artussage. Oder werden hier neuzeitliche Interpretationen mit den steinernen Monumenten vermischt, die noch viel älter sind?

Der Jardin du Merlin: Ein Mystischer Platz im Elsass

Eine Dreiergruppe Menhire, die als »Zeichen des Feuers« bezeichnet werden

Ich konnte trotz intensiver Recherchen schwer Informationen über diesen seltsamen und doch so schönen Ort finden. Offensichtlich wurde um den ganzen Bereich eine höchst informative Szenerie gestaltet, neuzeitliche Umgestaltungen inbegriffen. Angeblich wurde dieser Ort 1995 umgestaltet, um den Bischoffsheimer Wald aufzuwerten. Die Archäologie behauptet derweil, es gäbe im Elsass keine Megalithen und es handle sich um eine moderne Konstruktion. Genaues ist nicht bekannt. Ein Kunstwerk vielleicht, anhand verschiedener berühmter megalithischer Stätten nachempfunden? Dann hat sich aber jemand erhebliche Mühe gemacht.

Die Autorin und Seherin Susanne Klimt schreibt in ihrem Buch Magische Orte im Elsass dazu: »Viele Archäologen der Vergangenheit behaupten zwar, dass es hier im Elsass eigentlich solche Megalithen normalerweise nicht gäbe, was aber in meinen Augen Quatsch ist. Sicherlich wurden hier Schriftzeichen und kleine Veränderungen nachträglich dazu gebaut, aber das ist wie bei allen Bauwerken der Welt der Fall, dass es immer mal Neuerungen und Verbesserungen gibt.«

Rätsel um Merlins Garten

Einige der Menhire sind offensichtlich alt, sehr alt. Es wäre wirklich überraschend, wenn es im Elsass nie authentische Megalithen gegeben hätte, denn man findet diese steinernen Zeugnisse aus ferner Zeit in den Vogesen, in der Franche-Comté im Osten Frankreichs, in der Schweiz und natürlich auch in Deutschland. Und diese Zeugnisse liegen praktisch nur wenige Kilometer vom Elsass entfernt. Man denke nur an die vielen uralten Spuren im Pfälzer Wald oder Menhire wie den Gollenstein von Blieskastel, wie ich sie oft in meinen Büchern beschrieben habe.

»Kosmischen Ereignisse und die Geschehnisse auf der Erde könnten weit mehr im Zusammenhang stehen, als wir es uns bislang vorgestellt haben.«

So leicht ist es auch nicht mit der Vermutung, dass es eine in der Moderne errichtete Anlage wäre. Der sogenannte »Merlins Garten« wurde nämlich angeblich in den frühen 1980er Jahren entdeckt, zumindest die rund 30 Hinkelsteine. Die vorgefundenen Steine wurden 1985 von Geobiologen aufgerichtet und positioniert. So hört sich die Sache schon ganz anders an. Eine These besagt, sie wurden anhand von Wünschelruten und der Verortung von Tellurstrahlen ausgerichtet. Tellur ist ein seltenes, metallisch glänzendes Halbmetall, das noch seltener als Gold auftritt.

Einige Megalithen sehen aber in der Tat wesentlich älter aus als andere. Möglicherweise sind sie authentische Steine aus prähistorischer Zeit. Der große isoliert stehende Südstein zum Beispiel oder der im Norden befindliche Menhir scheinen solche ursprünglichen Steine zu sein. In dem Fall wären sie älter als Merlin und König Artus, und der geheimnisvolle Zauberer wäre lediglich Namensgeber für diesen Ort.

Andere Konstruktionen wie die steinernen Sitzgruppen oder Steintische scheinen nachträglich errichtet worden zu sein. Wäre dem so, empfinde ich sogleich Wut und Ärger über eine solche Umgestaltung alter Funde. Demnach wäre S‘Verlorene Eck eine neo-druidische Konstruktion. Hätte man den Platz in seiner Ursprünglichkeit belassen, wäre er insgesamt authentischer gewesen. Entfernt man also gedanklich bestimmte Steintische und Steinkreise, hat man möglicherweise den ursprünglichen Zustand dieses Ortes.

Der Jardin du Merlin: Ein Mystischer Platz im Elsass

Hund Fritz in Merlins Garten

Diese ganze Stätte ist seltsam und doch faszinierend. Sie bedarf auf jeden Fall der weiteren Forschung, insbesondere in Hinsicht auf physikalische Kräfte und ihre Wechselwirkungen. In der näheren Umgebung sind jedenfalls alte keltische Siedlungen belegt. Waren einige Steine also vor der letztmaligen Gestaltung des Platzes bereits längst vorhanden? Hatte hier wirklich Merlin seine Finger im Spiel? Ist der Platz am Heidenkopf viel älter, als man glaubt? Niemand kann es wirklich genau sagen, doch interessant ist, dass die ganze Region um Pfalz, Elsass und Schwarzwald etliche alte Spuren aus fernen Zeiten aufweist. Es ist also kaum verwunderlich, hier im Elsass auf rätselhafte Stätten mit außergewöhnlichen Felsanordnungen zu treffen, die bereits vor Jahrtausenden von Menschen genutzt wurden.

Es bleibt also spannend um den Jardin du Merlin. Ist das »Verlorene Eck« ein heißer Kandidat auf der Suche nach Ruinen aus einer längst vergessenen Zeit? Überreste und Hinterlassenschaften von bedeutenden, alten Kulturen rund um die Welt offenbaren uns merkwürdige Fakten und technologische Entwicklungen. Diese passen allerdings nicht so recht in das mühsam erstellte Geschichtsbild. Eine wichtige und vielleicht alles entscheidende Erkenntnis mag darin liegen, dass die kosmischen Ereignisse und die Geschehnisse auf der Erde weit mehr im Zusammenhang stehen könnten, als wir es uns bislang vorgestellt haben.

► Die Plus Code Koordinaten vom Odilienberg lauten CCM2+82 Ottrott, Frankreich. Sie beziehen sich auf das Kloster. Um die Abhänge des Berges herum zieht sich die sogenannte Heidenmauer.

► Merlins Garten, »s’Verlorene Eck«, befindet sich an den Plus Code Koordinaten F9C5+2G Kanton Rosheim, Frankreich.

Zum Autor

Unser Autor Roland Roth

Roland Roth ist seit vielen Jahren Autor von populärwissenschaftlichen Büchern über fremde Welten und unsere spannende Vergangenheit. Mystische Plätze und vergessene Orte sind seine besondere Leidenschaft. Sein aktuelles Buch trägt den Titel »Merlins Garten: Mythen, Megalithen und vergangene Welten«. Roland Roth ist ein großer Hundefan und engagiert sich darüber hinaus in der Altenhilfe.

Aufruf an unsere Leserinnen und Leser: Wenn Sie Informationen über solche geheimnisvollen Orte haben, so schreiben Sie mir: roth-verlag@web.de

Mehr zu diesem Thema in der Bucherscheinung:

Roland Roth: Merlins Garten

Roland Roth
Merlins Garten
Mythen, Megalithen und vergangene Welten

Illustriert mit über 70 Fotos
Preis: EUR 21,99, 212 Seiten
ISBN: 9783756518760

 

Bildnachweis: © Roland Roth

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