Nora Hansing

Nora Philine Hansing – Die spirituelle Dimension des Wandels

Wandel liegt in der Luft, dies kann niemand bestreiten. Doch über die Richtung und die Möglichkeiten dieses Wandels wird aktuell viel debattiert. In den Augen der jungen Autorin Nora Hansing verlieren wir dabei viel zu häufig, die innere, spirituelle Dimension des Wandels aus dem Blick. Deshalb möchte sie uns mit ihren kraftvollen und ehrlichen Worten an die allgegenwärtige Fülle und unser menschliches Potenzial, zu verändern und zu gestalten, erinnern.  

Tattva Viveka: Nora, du bist eine junge Autorin, die bereits ihr zweites Buch mit dem Titel »Zeitenwende – Dimensionen des Umbruchs. Eine innere Perspektive des Wandels« verfasst hat, das im Januar 2022 beim Verlag »Neue Erde« erscheinen wird. Möchtest du uns ein wenig über dich selbst und deine Motivation erzählen, dieses Buch zu verfassen?

Nora Hansing: Das ist eine große Frage. Ich fange mit meinem Namen an: Ich bin Nora Hansing und zu diesem Interview bin ich durch mein neues Buch »Zeitenwende« gekommen, das ich in diesem Jahr schrieb und nun, wie du bereits angekündigt hast, im Januar vom Verlag »Neue Erde« veröffentlicht wird. 

Meine Motivation, dieses Buch zu schreiben, liegt darin, dass ich bereits mein ganzes Leben lang eine Spaltung im Verhältnis des Menschen zur Natur und in der Gesellschaft gespürt habe. Dies beschäftigte mich immer sehr, und ich fragte mich, wo mein Platz sei, wie ich in die Welt wirken und meinen Teil dazu beitragen kann, dass sie anders wird und wieder mehr Einheit entsteht. So tauchte ich immer tiefer in die spirituellen Wege ein: Ich begann mit Yoga, Qi Gong und Meditation und spürte, dass der spirituelle Weg mein Weg ist und ich darin meine Ressourcen finde. Diese Praxis verband ich mit dem Schreiben und fasste den Entschluss, mich mit einem Buch nach außen zu wenden, das heißt, auf eine Weise zu schreiben, durch die ich die Öffentlichkeit erreichen kann. Im Gegensatz zu meinem ersten Buch »Erwachsen – die neue Welt beginnt in uns« ist »Zeitenwende« viel intensiver auf die spirituelle, geistige Dimension des Wandels ausgerichtet und markiert dementsprechend eine andere Ebene der Betrachtung, die ich der Welt vermitteln möchte. An diesem Punkt stehe ich gerade und hoffe, dass auf diesem Weg meine Botschaft vielen Menschen zugänglich wird. 

TV: Wir haben uns verabredet, um über das Thema »Wohlstand« zu sprechen. Deshalb frage ich dich, wie du für dich Wohlstand auffasst? 

»Infolgedessen ist Wohlstand immer vorhanden. Er ist ewige Gegenwart.«

Nora: Wohlstand verstehe ich vor allem als eine innere Qualität, als die Fähigkeit, mich von innen mit allem, was mich umgibt, und mit allem, was ich bin und in mir spüre, zu verbinden. Infolgedessen ist Wohlstand immer vorhanden. Er ist ewige Gegenwart. Diese Fülle der Gegenwart kann ich immer in meiner eigenen Präsenz finden, also je präsenter ich bin, umso tiefer kann ich diese Fülle des gegenwärtigen Wohlstands empfinden und aufnehmen. Wohlstand ist in der Natur in dem Sinne gegeben, dass alle Lebewesen, die Teil der Natur sind, durch dieses Netz gehalten und auch versorgt werden, und wir Menschen gehören ebenfalls dazu. Je mehr ich meinen Geist und mein Inneres öffne, umso mehr bin ich in der Lage, mich mit dieser Fülle zu verbinden und diesen Wohlstand, der bereits vorhanden ist, zu realisieren. Dies führt zur Einsicht, dass ich nichts von außen anhäufen muss, sondern Wohlstand viel eher etwas ist, das naturgegeben vorhanden ist und dem ich mich öffnen kann.

TV: Also wie etwas, das in uns verborgen ist und dem wir in uns Raum schaffen können?

Nora: Genau. Es ist ein Potenzial, das bereits vorhanden ist. Je weiter ich in meiner Entwicklung fortschreite, je mehr Frieden ich in mir selbst kreiere, umso offener kann ich für all die gute Energie sein, die mich umgibt, und für alles, das mich nährt und hält. Denn nichts anderes ist Wohlstand.

TV: Das ist eine ungewöhnliche Perspektive auf »Wohlstand«, denn in den westlichen Industrienationen wird Wohlstand fast ausschließlich materiell aufgefasst und nicht als eine innere Qualität. Woran liegt es deiner Ansicht nach, dass Wohlstand überwiegend im Außen und selten im Inneren gesucht beziehungsweise entdeckt wird?

Nora: Das Verhängnis liegt genau in dem Gedanken, den du gerade beschrieben hast, nämlich in der Suche nach äußerem Wohlstand, durch die der Mensch seine Suche nach Wohlstand aus sich selbst ausgelagert hat. Wir verstehen kollektiv Wohlstand bereits lange nicht mehr als etwas, in das wir hineingeboren wurden, sondern als etwas, das ich immer mehr von außen inhalieren und sogar absorbieren muss. Wohlstand ist mit einem Konstrukt der Anstrengung und Anhäufung verknüpft, weshalb wir immer mehr in dieses Verhängnis geraten sind, die Natur auszubeuten, Ressourcen zu extrahieren und immer mehr zu nehmen. Doch dabei haben wir vergessen, dass Wohlstand immer etwas Kreisläufiges ist. Wir müssen einen Raum für Erneuerung schaffen, indem auch wir etwas zurückgeben und wieder einen Fluss erschaffen. Das grundlegende Problem ist tatsächlich die Spaltung unseres Selbst von der Natur, denn wir Menschen begreifen uns selbst als etwas Ausgelagertes und haben uns infolgedessen von unserer Fähigkeit, in Verbindung zu treten, abgespalten. Wir haben uns von unserem Urvertrauen getrennt, das wir ins Leben haben können und darin, dass die Natur uns immer alle Ressourcen gibt, ohne dass wir sie hemmungslos absorbieren müssen. 

TV: In deinem Buch gehst du nicht nur auf die innere Perspektive ein, sondern diese innere Veränderung soll auch mit einer äußeren Umstrukturierung einhergehen. Du kritisierst ganz klar unsere aktuelle Wirtschaftsweise und das Profitstreben.

Nora: Ja, genau. Ich sehe das äußere strukturelle Verhängnis stark in Resonanz zu dem, was in unserem Inneren passiert. Die Spaltung, mit der wir zu leben oder vielmehr mit der wir zu funktionieren gelernt haben, ist eine direkte Auswirkung der äußeren Struktur, die wir selbst erschaffen haben. In der äußeren Struktur ist alles kapitalistisch geprägt und auf Profitmaximierung getrimmt. Wir zwangen uns selbst in eine lineare Ordnung, die besagt, dass wir immer weiter extrahieren müssen, um Profit zu generieren. Doch diese Linearität stößt jetzt an ihre Grenzen, weil es ohne Erneuerung, ohne Rückführung und ohne Kreislauf nur zu Ausbeutung und Erschöpfung der Ressourcen kommen kann.

TV: Sind wir folglich auch innerlich gespalten?

Nora: Ich sehe eine allumfassende Spaltung. Sie beginnt mit der Spaltung von der Natur und mit dem Konstrukt der Dominanz des Menschen, dass wir herrschen und immer weiter nehmen wollen. Dies wirkt sich wiederum auf unser Miteinander aus, denn das Streben nach Profitmaximierung erzeugt immer Konkurrenz. Wo Konkurrenz ist, kann Wohlstand nicht frei verteilt werden beziehungsweise nicht fließend entstehen, weil wir Menschen unter diesen Umständen immer dabei sind, uns die Ressourcen einander streitig zu machen. Dadurch entstehen die Ungleichgewichte, die wir global bezeugen. 

»Die spirituelle Natur ist für mich nichts anderes, als in Verbindung mit allem zu sein und uns selbst als einen Teil eines größeren Ganzen wahrzunehmen.«

Doch die Abspaltung, die ich sehe und von der ich spreche, geht tiefer und ist die seelische Abspaltung, die Trennung von unserer spirituellen Natur. Die spirituelle Natur ist für mich nichts anderes, als in Verbindung mit allem zu sein und uns selbst als einen Teil eines größeren Ganzen wahrzunehmen. Ein Teil, das nicht beherrschen muss, sondern das in ein größeres Netz eingegliedert ist, das uns trägt, wenn wir es nicht beispielsweise durch Streben nach Profitmaximierung beschädigen. Demnach kann Heilung in meinen Augen nur geschehen, wenn wir uns wieder mit dem Schatz, der uns umgibt, mit unserer Fähigkeit, die Fülle anzuerkennen und das Leben zu achten, rückverbinden: das Leben der Tiere, das Leben der Pflanzen und die ganze Erde als Organismus wieder zu achten. Denn etwas Entscheidendes ist uns durch diese Spaltung verloren gegangen: Wir haben die Liebe für das Lebendige, das uns umgibt und uns im Grunde auch nährt, verloren. Erst wenn wir uns dafür entscheiden, diese Liebe neu zu erschließen, wird eine Loslösung von der destruktiven Struktur überhaupt möglich sein, weil wir erst dann mit einem anderen Blick und einem anderen Empfinden neue Wege gehen können, und zwar mit einem Empfinden, das nicht länger in den Konstrukten der Profitmaximierung eingesperrt ist, die wir im Grunde »nur« erschaffen haben, die aber nicht die wahren Größen sind, die für das Leben selbst relevant sind.

TV: Ich beobachte den Trend oder das Verständnis vieler Menschen, dass ein Mehr an Technologie und Maschinen uns aus der Klima- und Umweltkrise retten wird. Doch dieser Ansatz verlangt keine innere Wandlung von uns. 

»In der Schnelligkeit der äußeren, insbesondere der technischen Entwicklungen, die wir vollzogen haben, haben wir Menschen uns selbst überholt, weil wir uns nicht im gleichen Maße um unsere innere Entwicklung kümmerten.«

Nora: Ich beobachte ebenfalls, dass wir dabei sind, die Heilung des Problems auszulagern. Wir projizieren immer wieder in Maßnahmen, die vielleicht ergriffen werden könnten, oder in irgendwelche kleinen Aspekte, die vielleicht innerhalb des Systems eine minimale Veränderung erwirken würden, aber selten wird das System an sich hinterfragt. Doch um Heilung und eine neue Lebensweise zu schaffen, kommen wir nicht umhin, das System als Ganzes sowie unsere innere Einstellung zu hinterfragen. In der Schnelligkeit der äußeren, insbesondere der technischen Entwicklungen, die wir vollzogen haben, haben wir Menschen uns selbst überholt, weil wir uns nicht im gleichen Maße um unsere innere Entwicklung kümmerten. Deshalb ist es aktuell wichtig, den inneren Raum zu öffnen, um überhaupt die neuen Möglichkeiten, die wir uns im Außen erschaffen haben, verantwortungsvoll und im Sinne des größtmöglichen Potenzials zum Wohle aller nutzen zu können.

Überdies halte ich es für gefährlich, unsere weiteren kollektiven Entwicklungen zu sehr an Technologie und Digitalisierung zu binden. Denn eine viel entscheidendere Facette von Wohlstand ist seit jeher jene, die feinstofflicher Natur ist: geistige Ressourcen, Wissen(schaft), Erkenntnis und künstlerisches Schaffen, das unser Zusammenleben bereichert. Wahrhaftig dienen kann uns in meinen Augen nur das, was auch wahrhaftig aus uns selbst kommt und wodurch wir Menschen sowohl uns selbst als auch die Welt als zusammengehöriges, wechselwirkendes Gefüge verstehen lernen.

TV: Wie kann dieser innere Wandel gelingen, um die äußeren Veränderungen zu unterstützen? 

Nora: Es ist sowohl ein individueller als auch ein kollektiver Prozess. Ich glaube, dass die Heilung in jedem Einzelnen von uns selbst vonstattengehen kann. Die Dringlichkeit des Wandels ist eine persönliche Einladung und Aufforderung, sich selbst neu zu spüren. Dieser Prozess ist durchaus bereits im Gange: die Bewusstwerdung auf der individuellen Ebene, die einerseits dazu führt, wieder mit der Natur, dem eigenen Körper, Geist und Empfinden in Kontakt zu treten, die andererseits auch zu existenziellen Fragen führt, wie zum Beispiel was ich überhaupt sei oder als was ich mich jenseits der Leistung spüre und ob das, was vom äußeren System an mich herangetragen wird, überhaupt eine Wahrheit sein kann. Ist das eine Wahrheit, nach der ich leben möchte, oder spüre ich, dass das Leben eigentlich nach etwas anderem strebt? Könnte es sein, dass die Fülle in etwas anderem als in einem ständigen Funktionieren und chronischen Leistungerbringen liegt, das letztendlicdiesem Eingeständnis heraus können wir uns wieder in die kreative Macht und in die souveräne Position begeben, von der ich auch in »Zeitenwende« spreche. Wir Menschen müssen uns selbst wieder zum Souverän machen und das System als ein Konstrukt erkennen, das wir transformieren können. Denn es ist keine gegebene Wahrheit, mit der wir irgendwie umgehen müssen. 

TV: Wieso ist es im gesellschaftlichen Bewusstsein so wenig verbreitet, dass das derzeitige System nicht in Stein gemeißelt ist und dass andere Lebensweisen möglich sind?

Nora: Wir wissen es alle. Aber wir müssen es uns trotzdem nach und nach erschließen und die lang kultivierte Verdrängung überwinden. Wir alle haben unsere eigene Aufgabe darin, und das Wissen kann in verschiedenen Formen durch uns sprechen. Es gibt einerseits Menschen, die dazu berufen sind, auf geistiger Ebene zu wirken, und andererseits gibt es Menschen, die eher dazu berufen sind, dies in das Praktische zu überführen, in groben Tendenzen gesprochen. Das ist die große Kunst und die entscheidende Aufgabe eines jeden, seinen persönlichen Weg im Wandel zu finden und zu erkennen, in welche Richtung das eigene Potenzial fließen und auf welche Weise sich das Wissen durch einen selbst ausdrücken möchte. Denn letztendlich sprechen wir alle von derselben Wahrheit, wenn es um Heilung geht.

TV: Die globale Transformation beginnt auf der seelischen Ebene und wird daraufhin in die äußeren Strukturen fließen?

»Es ist wichtig, dass wir erkennen, dass wir diesen Herausforderungen mit neuem Wissen begegnen und grundsätzlich neue Wege schaffen sollten.«

Nora: Die seelische Ebene ist der Ausgangspunkt, und die große Herausforderung ist, die Verbindung zu schaffen: die individuelle Erkenntnis immer mehr in das kollektive Feld hineinzugeben und daraufhin an den strukturellen Punkten anzusetzen. Es ist wichtig, dass wir erkennen, dass wir diesen Herausforderungen mit neuem Wissen begegnen und grundsätzlich neue Wege schaffen sollten. Es genügt nicht, innerhalb einer ausbeutenden Struktur bestimmte Aspekte ändern zu wollen, sondern die ganze Struktur an sich muss als obsolet erkannt werden.

Um dies auf das Thema Wohlstand zu übertragen: Ich glaube, dass Ressourcen-Entgrenzung ein entscheidender Schlüssel ist. Würden wir aus diesem spaltenden Modus heraustreten, wären wir in der Lage, die uns umgebenden Ressourcen nicht länger als separierte Bestandteile und als Besitz einzelner Personen zu betrachten, sondern als eine Fülle, die wir dorthin leiten können, wo sie in dem jeweiligen Moment gebraucht werden. 

Wir wissen, dass es genug Nahrung für alle auf dieser Welt gibt, jedoch ist diese so ungleich verteilt, dass bei Weitem nicht alle Menschen davon leben können. 

Dieses Verhängnis ist stark damit verbunden, dass wir in einem Konstrukt leben, das uns auffordert, alles anhäufen zu müssen und in Besitz zu unterteilen. Dies führt dazu, dass wir immer denken, es ginge darum, über etwas zu verfügen, aber letztendlich geht es darum, alles, was da ist, so miteinander zu verbinden, dass es uns alle hält. 

Was uns bisher davon abhält, so miteinander zu leben, ist unter anderem die kapitalistische Ordnung, denn Ressourcen werden als profitgenerierendes Mittel angesehen und nicht als etwas, das uns gegeben ist, und daraus folgt Verantwortung für unser Handeln. Naturgegeben existiert keine Separierung der Gaben und Ressourcen. Die Separierung erschaffen wir Menschen, indem wir sie einander vorenthalten. Deshalb liegt es an uns, diese Trennung zu überwinden und dahin gehend einen Entschluss zu fassen, anzuerkennen, was einerseits vorhanden ist und was andererseits gebraucht wird, und dann im Sinne des Wohls aller die Ressourcen so fließen zu lassen, dass ein gleichmäßig getragenes Netz entsteht.

TV: Würdest du sagen, dass individueller Wohlstand untrennbar mit dem kollektiven Wohlstand verbunden ist?

Nora: Ich glaube, dass der individuelle Wohlstand im Grunde nichts anderes ist als der kollektive. Kollektiver Mangel wird für jedes Individuum auf unterschiedlichen Ebenen spürbar, ebenso wie innerlich von der Fülle entfremdete Individuen ein Kollektiv des Mangels erschaffen.

TV: Hindert uns womöglich die Angst vor Verantwortung daran, etwas zu verändern? Haben wir Angst vor der Einsicht, dass wir nicht nur für uns selbst Verantwortung tragen, sondern ebenfalls für die Gesellschaft, in der wir leben, und an sich für die ganze Erde? 

Nora: Ich glaube, die Furcht vor der Verantwortung liegt in der Furcht, in allem, was wir tun, letztendlich doch wieder vom System absorbiert zu werden. Deshalb ziehen es viele vor, lieber nichts zu tun. Aber gerade deswegen ist es entscheidend, immer wieder den eigenen Geist freizuhalten und diese Denkmuster, die von außen an uns herangetragen werden, nicht ungeprüft als die eigenen anzuerkennen. Manchmal sind noch bestimmte Schritte innerhalb des Systems notwendig, um in einem weiteren Schritt das grundlegende systemische Gefüge, das kapitalistische Gefüge – die Art und Weise, übereinander Macht und Kontrolle auszuüben –, zu verändern. 

Artistic portrait created by combining two photographs

Zudem glaube ich, dass es eine unserer großen Aufgaben ist, uns in unserer Verletzlichkeit, Angst und kollektiven Traumatisierung zu akzeptieren. Denn wenn wir beginnen, diese Schwächen anzuerkennen, kann Heilung entstehen. Jeder Schritt und jede Erkenntnis, die wir individuell meistern, hat immer auch eine Auswirkung auf das große Ganze. Das bedeutet, dass ich nicht zuerst einen sichtbaren großen Schritt nach außen tun muss, sondern ich verändere bereits viel, wenn ich in mir selbst diesen Raum der Liebe schaffe und mich innerlich immer wieder mit dem Wohlstand und der guten Energie, die mich umgibt, verbinde. Denn wenn ich das tue, wirke ich unmittelbar auf mein Umfeld. Die Begegnung mit dem eigenen inneren Raum ist die Grundlage für jeden weiteren Schritt, der dann sichtbar im Außen Veränderung schafft. Ich kann immer entscheiden, mit welcher Energie ich der Welt begegnen will. Darin liegt bereits der Beginn jeder Heilung, weil Energie immer weitergegeben wird und weitere Resonanz schafft, und wenn ich eine befreiende Energie in mir trage, dann kann weitere Befreiung entstehen. 

TV: Am Anfang unseres Gesprächs erwähntest du, dass du eine spirituelle Praxis pflegst. Würdest du sagen, dass eine lebendige spirituelle Praxis dazu führen kann, unseren inneren Wohlstand zu entdecken? 

Nora: Ja, unbedingt. Das ist ein Weg, den auch ich bis hierhin gegangen bin, und ein Weg, der nie endet. Die einzig wahren Ressourcen sind die Ressourcen, die wir in uns selbst finden können. Dort ist die ganze Kraft, und je mehr wir uns mit dieser Kraft und mit unserem Bewegungsraum verbinden, sei es auf individueller oder kollektiver Ebene, umso mehr treten wir auch in diese Kraft ein und umso kraftvoller nehmen wir uns als handelnde und wirkende Souveräne wahr. Die spirituelle Begegnung mit sich selbst ist im Grunde der essenzielle Ausgangspunkt von allem anderen. 

TV: Möchtest du unseren Lesern und Leserinnen noch etwas sagen? Liegt dir etwas auf dem Herzen? 

Nora: Die Wahrheit ist immer größer als die sichtbare Struktur, die uns umgibt. Deshalb können wir auf die Wahrheit, die wir in uns finden, vertrauen. Dabei sollten wir uns nicht von dem Alten beirren lassen, das noch so machtvoll zu sein erscheint, denn letztlich ist das nur ein Konstrukt. Für mein Empfinden liegt die Wahrheit in der spirituellen Öffnung und der Realisierung der eigenen inneren Empfindungen im Sinne einer eigenen inneren Souveränität. In dem Sinne, dass wir uns bewusst werden, dass wir immer Energie erschaffen, die einen Unterschied macht. Dieses Vertrauen können wir alle in uns tragen.

Nora Philine Hansing

Zur Autorin

Nora Philine Hansing, geboren 2001, hat ihre spirituelle Praxis (Yoga, Qi Gong, Meditation) stets mit ihrem Engagement für Natur- und Umweltschutz verbunden und viel Zeit damit verbracht, sich über Lektüre von Werken mit ganzheitlichem, gesellschaftskritischem, transformativem und nachhaltigem Bezug weiterzubilden. Ebenso prägend waren und sind intensive persönliche Naturerfahrungen. Bei Heidelberg aufgewachsen, lebt und studiert sie derzeit in Leipzig.

Bildnachweis: © Adobe Photostock

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