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Ronald Engert – Die Gotteserfahrung

Zur Gesamtstruktur des Göttlichen

Die Ablehnung der Idee Gottes in der Moderne bezieht sich vorwiegend auf vormoderne, mythische Konzepte von Gott, insbesondere auf die Vorstellung des alten weißen Mannes mit Bart und erhobenem Zeigefinger. Ein vollständiges Verständnis Gottes umfasst jedoch wesentlich mehr. Der Beitrag beleuchtet die weiteren Aspekte von Göttin-Gott-Göttlichem innen und außen und fragt, inwiefern diese Aspekte notwendig sind, um die Welt und den Menschen zu verstehen.

Die Idee Gottes spielte viele Jahrhunderte lang eine tragende Rolle. Allerdings wurde diese Idee Gottes auch für sehr gottlose Dinge missbraucht, vor allen Dingen dafür, Macht über andere Menschen auszuüben.

So besteht einerseits eine gewisse Müdigkeit gegenüber der Religion und der Idee Gottes aufgrund der viele Jahrhunderte währenden vorherrschenden Präsenz dieser kulturellen Praxis, andererseits eine tiefe Enttäuschung – und man muss sagen: Verbitterung – angesichts des Missbrauchs, der mit der Religion und der Idee Gottes begangen wurde.

Gleichwohl ist zu bedenken, dass die Wiege der Kultur und der Zivilisation die Religion ist. Es ist bemerkenswert, in welcher Intensität die frühen Kulturen das Wirken übersinnlicher Kräfte als real betrachteten und diese ihren eigenen Kulturleistungen zugrunde legten.

Uralte Schriften wie die Bhagavad-gita, die Kabbala, das I Ging, die Bibel und andere enthalten Weisheit in einer Tiefe, wie man sie heute nicht mehr findet. Diese Bücher sind nicht von ungefähr seit mehreren tausend Jahren aktuell. Ihr Wissen ist zeitlos und von solcher essenziellen Bedeutung, dass sie auch heute noch eine wertvolle Quelle für menschliches Wissen darstellen, auch wenn dies in der heutigen säkularen Kultur nicht mehr entsprechend gewürdigt wird.

Für einen Gottesbegriff des 21. Jahrhunderts wäre es unerlässlich, diese primären Weisheitsschriften stärker zurate zu ziehen, um Aufschluss über eine gesellschaftliche Praxis zu finden, die den Menschen, den anderen Lebewesen und Mutter Erde ein gesundes, lebensrichtiges und glückliches Dasein auf diesem Planeten bescheren könnte.

»Es ist bemerkenswert, in welcher Intensität die frühen Kulturen das Wirken übersinnlicher Kräfte als real betrachteten und diese ihren eigenen Kulturleistungen zugrunde legten.«

Das Problem mit dem Wort »Gott«

Da das Wort »Gott« heutzutage nahezu vollständig diskreditiert ist und alle möglichen merkwürdigen Assoziationen bei den Menschen hervorruft, besteht vielfach das Bedürfnis, dieses Wort zu vermeiden und damit aber auch gleichzeitig die Idee, die durch dieses Wort benannt wird, in Abrede zu stellen. Dies ist auf den bereits erwähnten Missbrauch zurückzuführen, der zu einer regelrechten Gottesvergiftung führte, so der Theologe Tilman Moser.1Ronald Engert: Die Gottesvergiftung, in: Tattva Viveka 21

Wenn jemand überhaupt darüber spricht, dann bemüht er sich um eine möglichst undefinierte Bedeutung. Man setzt das Wort Gott in Anführungszeichen und fügt zugleich viele andere Bezeichnungen und Erklärungen hinzu, um sich nicht auf dieses eine Wort festnageln zu lassen, gerne gefolgt von der Bemerkung: »… oder was auch immer«. Man möchte sich auf keinen Fall festlegen und auf keinen Fall mit dem traditionellen christlichen Gotteskonzept des alten weißen Mannes mit dem langen Bart und dem erhobenen Zeigefinger in Zusammenhang gebracht werden.

Die christliche Gottesvorstellung

Das ist nachvollziehbar und vernünftig, weil diese traditionellen Gottesvorstellungen – hier im Westen ausschließlich des Christentums – für das 21. Jahrhundert nicht mehr zu gebrauchen sind. Viele Menschen wissen jedoch nicht, dass es in anderen Kulturen ganz andere Gottesvorstellungen gibt und dass insgesamt die Welt der Spiritualität viel umfangreicher und bunter ist, als dies durch das christliche Gottesbild den Anschein hat.

Die allermeisten Menschen, die heute das Wort Gott nicht mehr hören können, referieren auf diesen alten, weißen Mann mit Bart, dessen erhobener Zeigefinger eine moralische Normativität suggeriert, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzen soll, um sie mit Schuld, Schande und Scham zu »besseren Menschen« zu erziehen.

Wir haben uns jedoch weiterentwickelt. Der heutige Mensch möchte sich nicht mehr von autoritären Obrigkeiten zu einem bestimmten Verhalten zwingen lassen und schon gar nicht durch die Drohung der Hölle. Der heutige Mensch ist mehr oder weniger dazu in der Lage, sein Urteilsvermögen zu nutzen und seine eigenen Entscheidungen zu treffen.

Diese Entwicklung der Individualisierung und Autonomie des Subjekts nahm spätestens vor 400 Jahren mit dem Beginn der Moderne Fahrt auf. Markante philosophische Namen in diesem Zusammenhang sind René Descartes (1596–1650) und Immanuel Kant (1724–1804). Sie formulierten das, was in der Luft lag, nachdem die katholische Kirche durch das Aufkommen des Protestantismus ihre absolute Deutungshoheit verloren hatte. Plötzlich trafen zwei widerstreitende Erklärungen der Wirklichkeit aufeinander, und es gab nicht mehr eine einheitliche, allgemeingültige und absolute Erklärung. Die Menschen mussten beginnen, sich ein Urteil zu bilden und selbst zu entscheiden.

Die Nutznießerin dieses Konfliktes war die neu aufkommende Wissenschaft. Sie bot eine Alternative zu diesen beiden theologischen Dogmatiken, in dem sie einen völlig anderen Zugang zur Erkenntnis proklamierte, nämlich die eigene Sinneserfahrung und das eigene Denken. So kam René Descartes zu seiner markanten Schlussfolgerung »cogito ergo sum«: »Ich denke, also bin ich«, und von Immanuel Kant, dem »Alleszermalmer« (Ludwig Marcuse), kommt das berühmte »sapere aude«: »Wage zu denken«.

»Gott ist eine ultimative Kategorie, eine Grenzdefinition am Rande dessen, was unser menschliches Verständnis noch zu fassen vermag.«

Um für das 21. Jahrhundert einen modernen und moderaten Namen für das zur Diskussion stehende Prinzip, die Idee Gottes, zur Verfügung zu haben, schlage ich »Höhere Macht« oder im modernen englischen Style »Higher Power« vor. Ein solcher Name ist zumindest nicht von diesen Jahrhunderten des Missbrauchs und der ideologischen Vereinnahmung belastet. Man könnte allerdings dagegen einwenden, dass es einen Bedeutungsschwund und eine gewisse Verwässerung der gemeinten Idee mit sich bringt.

Gott ist eine ultimative Kategorie, eine Grenzdefinition am Rande dessen, was unser menschliches Verständnis noch zu fassen vermag. Das Element der Erhabenheit und der damit beim Rezipienten vielleicht auch einhergehenden Ehrfurcht sollte im Zusammenhang mit der Idee Gottes besser nicht abgeschwächt werden. Allerdings existieren auch andere Gotteskonzepte, die weniger auf Ehrfurcht und mehr auf Anziehung, Zuneigung und Liebe aufbauen.2 Deren Erklärung würde den Umfang dieser Abhandlung sprengen. Sie wurden an anderer Stelle bereits hinreichend dargestellt. Siehe u. a. Ronald Engert: Die Ekstasen der Gottesliebe. Liebe zu Göttin-Gott, das höchste Ziel des Lebens, in: Tattva Viveka 57 Grundsätzlich ist Ehrfurcht und Respekt eine relevante Qualität im Zusammenhang mit Gott und eine erste Stufe der Gottesbeziehung, ohne die höhere mystische Zugänge kaum zu öffnen sind.

Es täte den Menschen durchaus gut, wenn sie mehr Ehrfurcht vor dem Lebendigen und der Schöpfung hätten. Dafür braucht es aber Demut, und die steht im Widerspruch zu dem den Menschen doch sehr eigenen Hochmut. Niemand möchte sich unterwerfen, was auch wieder verständlich ist angesichts des kollektiven Traumas, das in allen Zeiten von religiösen und politischen Fanatismen in Form von Religionskriegen, Staatsterror, Diktaturen, Verfolgung, Genoziden, Diskriminierungen usw. ausgelöst wurde. Die Idee der Macht ist gerade bei innovativen und alternativen Menschen höchst diskreditiert, fast so sehr wie die Religion bei den AtheistInnen.

Gleichwohl ist die Demut, die eine Höhere Macht (Gott) akzeptiert, eines der unerlässlichsten Prinzipien, nicht nur der Religionen, sondern einer menschlichen Lebensform überhaupt. Ein Mensch, der demütig ist, kann auch Dankbarkeit empfinden. Dankbarkeit wiederum ist eine Quelle des Glücks und der Freude.

Demütig zu sein ist indes nicht das gleiche wie gedemütigt zu sein. Hier wurde, wie auch im Falle Gottes, eine hoch bedeutsame und essenzielle Kategorie der spirituellen Wahrheit missbraucht.

Man muss sich über diesen Missbrauch essenzieller Kategorien wie Gott oder Demut nicht wundern, weil nur das, was einen Wert hat, missbraucht werden kann. Wertloses ist für einen eventuellen Missbrauch uninteressant. Wenn wir also in unseren kulturellen Formen auf Elemente des Missbrauchs stoßen, so können wir gewiss sein, dass sich in diesen missbrauchten Kategorien, Ideen, Strukturen oder auch Menschen etwas sehr Wertvolles verbirgt, was konstitutiv für unser Glück und unsere Wahrheit ist. So auch die Idee Gottes.

Das vollständige Bild der »Höheren Macht«

Sehr allgemein und weitreichend kann man von einer »Höheren Macht« sprechen, die über den Menschen steht und uns Menschen vielleicht ein Korrektiv geben kann, das unseren Machtanspruch und Hochmut ins Verhältnis setzt. Es ist eine Macht, die höher ist als wir selbst, höher als jede Macht irgendeines Menschen.

Es ist eine der Hauptideen der Menschen, dass die einen Macht über die anderen haben dürfen, und es ist eine der Hauptideen der echten Religion, dass dies nicht stimmt. Gemäß den Religionen liegt die Macht bei Gott und nicht bei den Menschen. Sobald wir dies anerkennen, wird die Frage der Macht von Menschen über Menschen hinfällig.

Nun gibt es aber auch eine Zwischenebene, die Priesterschaft, die als professionelle Dienstleister für die breite Masse der Menschen das religiöse Thema verwalten und pflegen, und hier ist die Möglichkeit des Missbrauchs gegeben. Einige professionelle VertreterInnen Gottes maßen sich selbst diese göttliche Macht an und verlieren unter Umständen ihre Demut.

Die Struktur der Geistlichen entstand vor mehreren tausend Jahren und war damals wahrscheinlich notwendig, weil die breite Masse der Menschen wenige Kapazitäten frei hatte, um sich professionell mit dem Thema zu beschäftigen. Immer schon lebten auch besondere Menschen, die diese Funktion ausübten, zum Beispiel die Schamanen oder die Gurus. Das Prinzip an sich ist richtig. Es treiben sich aber viele Scharlatane herum, welche die Menschen ausbeuten, betrügen und in die Irre führen.

Dies liegt aber vielleicht sogar im Sinne des Erfinders, weil ein Grundprinzip unserer menschlichen Daseinsform unsere Freiheit ist. Eine liebende, höhere Macht wird nicht in die Souveränität des Einzelnen eingreifen. Die Möglichkeit der Freiheit impliziert auch die Möglichkeit, sich von den guten Prinzipien oder von Gott abzuwenden. Dies bedeutet, dass wir selbst unser Urteilsvermögen, d. h. unsere Ethik, entwickeln müssen und dürfen. Hier liegt ein Ansatzpunkt für ein Gottesverständnis des 21. Jahrhunderts: Wir unterwerfen uns nicht blind der Autorität von religiösen FührerInnen, sondern entwickeln unser eigenes Urteilsvermögen (Sanskrit: »viveka«) – ein Vermögen, das leider vielfach noch zu wenig entwickelt ist. Erst als urteilsfähige ethische Subjekte werden wir souveräne, wahrhaftige Individuen sein, die auf erwachsene Weise mit Göttin-Gott in Beziehung treten können.

»Diese alldurchdringende göttliche Energie, Brahman, heiligt die Erde und die Natur – ein großes Bedürfnis für viele Menschen, denen die Jenseitsreligionen und ihre Ablehnung des Irdischen zu einseitig sind.«

Göttin-Gott

Viele Menschen lehnen Gott ab, ohne sich bewusst zu sein, dass sie den männlichen, patriarchalen Gott meinen. Doch in vielen Traditionen der Menschheitskultur ist das höchste Wesen weiblich. Viele Religionen verehren eine Göttin. Das ist noch relativ ungewohnt für uns christlich sozialisierte Menschen im Westen.

Im Zuge der Frauenbewegung wurde immer deutlicher, wie sehr die Frauen von allen Kulturleistungen ausgeschlossen worden waren und wie religiöse und politische Strukturen ausschließlich durch Männer besetzt waren. Aus heutiger Sicht wirkt das schon fast absurd.

Die Frauenbewegung bemüht sich um die Stärkung der Frauen und hat in diesem Sinne auch die Verehrung von Göttinnen in den Blick genommen und die weibliche Kraft im spirituellen Kontext aus der Versenkung geholt.

Ist es nicht gleich eine ganz andere Stimmung, Energie oder Gefühlslage, wenn man sich diese höhere Macht als Frau vorstellt? Sogleich fallen die patriarchalen autoritären Terrorstrukturen in sich zusammen. Die göttliche Mutter ist eine andere Qualität als der patriarchale Gott der Christen.

Natürlich sollte man hier vermeiden, in Schubladen zu denken. Für viele Christen ist Gott ein liebender Vater. Das ist ein wunderschönes, lebendiges und stimmiges Verständnis von Gott. In ähnlicher Weise ist die göttliche Mutter liebend, nährend und fürsorgend. Gleichwohl gibt es furchteinflößende Aspekte, zum Beispiel in der Göttin Kali in Indien. All diese Feinheiten bedürfen einer fortschreitenden theologischen Klärung. Die Zerstörungskraft Kalis zum Beispiel ist nicht etwas Boshaftes oder Dämonisches, sondern bezieht sich auf die dysfunktionalen Eigenschaften der Menschen, vor allem auf ihr falsches Ego. Es ist dieses falsche Ego, das von Kali zerstört wird, versinnbildlicht durch die Girlande von Totenschädeln, die um ihren Hals hängt – in Endeffekt also doch etwas Gutes.

Die indische Gottesvorstellung

Die indische Gottesvorstellung

Das Göttliche

Von diesen personalen Geschlechtszuweisungen Gottes als Frau oder Mann abgesehen, bevorzugen heute viele Menschen ein neutrales Verständnis Gottes. Man spricht eben nicht mehr von Gott als einer Person, sondern von »dem Göttlichen«. Dieses Göttliche ist ein Neutrum, eine unpersönliche, neutrale Energie. Dies hat den Vorteil, dass man das Element der Macht entschärft und die Möglichkeit eröffnet, sich selbst mit diesem Göttlichen zu identifizieren. Viele Menschen heutzutage sympathisieren mit der pantheistischen Idee, die alles als Gott und als große Einheit betrachtet: »Alles ist eins«. Wenn alles Gott ist, bedeutet das, dass man selbst auch Gott ist. Diese Haltung ist einerseits richtig – wir sind göttlich –, andererseits birgt sie die Gefahr eines Kategorienfehlers: Wir sind nämlich unbedingt auch von Gott verschieden, eben weil Gott die höhere Macht ist. Die indische Spiritualität bietet dafür die Idee des »gleichzeitigen Eins-und-Verschieden-Seins« an (»acintya-bhedabheda-tattva«).

Im Srimad Bhagavatam, einer alten vedischen Schrift, wird Gott dreiteilig verstanden. Die entsprechenden Sanskrit-Namen sind Bhagavan, Paramatma und Brahman.3Srimad Bhagavatam, 1. Canto, 2. Kapitel, Vers 11:

»vadanti tat tattva-vidas
tattvaṁ yaj jñānam advayam
brahmeti paramātmeti
bhagavān iti śabdyate.«

»Learned transcendentalists who know the Absolute Truth call this nondual substance Brahman, Paramātmā or Bhagavān.«

»Brahman« ist das Göttliche im neutralen Sinne, die alldurchdringende Energie, »the divine energy«, wie man gerne in spirituellen Kreisen sagt. Dieses Verständnis legt uns am wenigsten fest und lässt die Angelegenheit am weitesten offen. Auf diese Weise können sich die meisten Menschen damit verbinden, ohne in ideologische Konflikte zu geraten und Widerstände aufzubauen. Die alldurchdringende Energie ist wertfrei und unterscheidet nicht zwischen Gut und Böse. Der Aspekt des Brahman ist am meisten im Westen bekannt geworden und gilt vielen als die indische Spiritualität schlechthin, bekannt als »advaita«.

»Gott als innere Führung zu verstehen, lenkt den Blick auf die eigene spirituelle Erfahrung, die nun als Richtschnur und Maßstab gilt.«

»Paramatma« ist im vedischen Verständnis der lokalisierte Aspekt Gottes, Gott in unserem Herzen. In den vedischen Schriften wird beschrieben, dass in unserem Herzen zwei Seelen weilen, unsere individuelle Seele, der Atma, und die Überseele, der Paramatma. Sie sind wie zwei Vögel, die auf einem Baum sitzen. Der eine Vogel, die individuelle Seele, genießt die Früchte des Baumes. Der andere Vogel, die Überseele, ist der Zeuge und schaut zu.

Das Konzept des Paramatma führt uns zu einem wichtigen Unterscheidungsmerkmal: innen vs. außen. Die Menschen, die heute Gott ablehnen, wenden sich gegen die Idee, dass außerhalb oder überhalb von ihnen eine andere Wesenheit existieren soll, die über sie bestimmt. Viele von diesen Menschen sind aber der Idee gegenüber aufgeschlossen, dass in ihnen selbst eine derartige Instanz existieren mag, die sie von innen leitet. Diese Instanz wird oft als unser innerer Lehrer beschrieben, oder eben auch als Gott beziehungsweise das Göttliche in mir. Damit ist meiner eigenen Freiheit und Souveränität weitaus mehr Genüge getan, als wenn außerhalb oder überhalb von mir jemand proklamiert wird, der mich in meinen Handlungen führen soll.

»Bhagavan«, die dritte Form, ist der personalisierte Aspekt Gottes. Dies ist der umstrittenste Anteil, weil es der Aspekt Gottes ist, der in den abrahamitischen Religionen hervorgehoben wurde. Gott als Vater oder als höchster Herrscher oder Allmächtiger ist eine Person. Sie herrscht über uns und richtet uns. Durch den Missbrauch traumatisiert lehnen viele Menschen die Idee eines persönlichen Gottes ab, sind aber offen für eine göttliche Energie, die nicht näher bestimmt ist, oder für einen lokalisierten Aspekt im Herzen, der sie von innen heraus führt. Die Person Gottes ist die am meisten missbrauchte und diskreditierte Idee überhaupt. Sie ist aber auch die mit dem größten Potenzial.

Gott 9.0

Die Integrale Theorie beschreibt entsprechend den verschiedenen kulturellen Entwicklungsstufen des Menschen verschiedene Stufen des Gottesverständnisses.4Monika Küstenmacher: Gott 9.0. Auf dem Weg zu einem integralen Gottesbild und darüber hinaus, in: Tattva Viveka 71 Im Rahmen des Themas dieser Abhandlung könnte man sagen, dass ein integrales Gottesverständnis alle drei Aspekte Gottes integriert und miteinander in Einklang bringt.5Ronald Engert: Die drei Gesichter Gottes, in: Tattva Viveka 29 Wir sollten alle drei Aspekte Gottes im Auge behalten. Es geht nicht darum, das eine Gottesverständnis gegen das andere auszuspielen und das eine als falsch und das andere als richtig zu betrachten. Vielmehr haben alle diese Aspekte ihre Bedeutung und Funktion in einem vollständigen Gottesbild.

Die alldurchdringende, neutrale Energie Gottes verbindet alles mit allem und ermöglicht uns die Zugehörigkeit zur Schöpfung. Sie macht uns auch bewusst, dass wir anderen Lebewesen nicht schaden können, ohne uns selbst zu schaden. Viele Implikationen spielen hier eine tragende Rolle, zum Beispiel der Aspekt der Intersubjektivität, demzufolge wir nicht isoliert existieren können, sondern in einem Zusammenklang mit unseren Mitwesen stehen und sie auch brauchen. Diese alldurchdringende göttliche Energie, Brahman, heiligt die Erde und die Natur – ein großes Bedürfnis für viele Menschen, denen die Jenseitsreligionen und ihre Ablehnung des Irdischen zu einseitig sind.

Der lokalisierte Aspekt der Überseele, Paramatma, betont die Eigenverantwortung des Menschen. Autoritäre, mythische Gottesbilder und vormoderne religiöse Gemeinschaften normieren den Einzelnen und sprechen ihm das eigene Urteilsvermögen ab. Es scheint besser, die Menschen moralisch zu bevormunden und ihre Freiheit einzuschränken, als sie unkontrolliert ihre eigenen Wünsche und moralischen Werte verfolgen zu lassen. Gott als innere Führung zu verstehen, lenkt den Blick auf die eigene spirituelle Erfahrung, die nun als Richtschnur und Maßstab gilt. In modernen und postmodernen Zeiten kann der Mensch nicht mehr hinter dieser Stufe zurück. Weltweit gibt es allerdings viele Kulturen, die noch in der mythischen Stufe leben, und auch in Westeuropa gibt es einen entsprechenden Anteil der Bevölkerungen.

Der personale Aspekt Gottes, Bhagavan, hat in seiner gesunden Form eine wichtige Bedeutung. Er lässt uns unsere vollständige Individualität erkennen und ermöglicht uns den liebenden Austausch mit Göttin-Gott und anderen Individuen. Nur hier finden wir die vollständige Subjektivität und Intersubjektivität. Dieser Aspekt ist somit unverzichtbar für ein vollständiges Verständnis der menschlichen Bedingungen und auch der Wahrheit im Ganzen. Wir sind subjektive Wesen mit einem emotionalen und spirituellen Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und Verbundenheit.

Jeder ist eine individuelle Seele, die in ihrer eigenen Raum-Zeit-Relativität einen einzigartigen Platz innehält, wo sich kein anderes Wesen befindet. Wir sind nicht austauschbar oder verallgemeinerbar. Die Verallgemeinerung und Abstraktion ist eine Form der Herrschaft, eine Definitionsgewalt, die das individuelle Wesen nicht vollständig erfasst, andererseits aber sehr nützlich ist, um funktionierende Prozesse einzurichten, mit deren Hilfe man zum Beispiel die Gesellschaft organisiert und Wissenschaft und Technik ermöglicht. Auch die Uniformierung in den Armeen dient dieser Herstellung organisierter Macht. Der Einzelne ist kein Individuum mehr, sondern eine Funktion.

Das personale Verständnis Gottes und des Menschen fördert die Individualität und wirkt in seiner Konkretheit den Abstraktionen entgegen. Leider ist das personale Verständnis Gottes in den abrahamitischen Religionen sehr rudimentär und unvollständig. Bessere Ergebnisse findet man in der indischen Bhakti-Tradition, wo Göttin und Gott in einer solchen Ausführlichkeit und spirituell-emotionalen Tiefe beschrieben werden, dass man hier eine relative Vollständigkeit des Gottesverständnisses vermuten kann.6Narayana Maharaja: Nitya Dharma – ewige Religion. Religion jenseits der Bedingtheit von Raum und Zeit, in: Tattva Viveka 20 Damit kann es sehr nutzbringend für ein Gottesverständnis des 21. Jahrhunderts werden. In diesem Verständnis gibt es Gott und Göttin in ihrer individuellen personalen Form, die in einer liebevollen Beziehung zueinanderstehen (Radha und Krishna). Die Seelen in ihrer menschlichen Lebensform haben eine Beziehung zu Göttin-Gott als DienerInnen, FreundInnen oder Geliebte. Wir finden in der indischen Spiritualität außerdem eine genaue Differenzierung zwischen materieller und spiritueller Dimension und eine vollständige Beschreibung der Unsterblichkeit der Seele.7Die Grundlagen dazu werden in der Bhagavad-gita dargestellt.

Säkular vs. Religiös

Die Wissenschaft ist angetreten, um der religiösen Welterklärung eine Alternative entgegenzusetzen, die auf Sinneswahrnehmung und logischen Argumenten beruht. Der Vorwurf, der gegenüber der Religion erhoben wird, ist, dass sie eben nicht auf physischen Beweisen und rationalem Denken beruht, sondern ein Glaubensakt ist. Eine solche metaphysische Setzung ist nicht beweisbar und insofern nicht für einen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn nutzbar zu machen. Im Grunde kann jeder alles behaupten, und es gibt keine Möglichkeit, es zu beweisen oder zu widerlegen. Ein empirischer Beweis kann nicht gegeben werden, und auch das rationale Argument ist in Glaubensfragen nicht anwendbar, wenn dies auch immer wieder in den zahllosen Gottesbeweisen versucht wird. Viele Gläubige gelangen deshalb zu der Schlussfolgerung, dass die Existenz Gottes gerade dadurch bewiesen wird, dass man sie nicht beweisen kann. Letztendlich befinden wir uns in einem Paradox, das nicht auflösbar ist.

Anselm von Canterbury (1033-1109) sprach deshalb von »credo, ut intelligam«: »Ich glaube, um zu verstehen«. Ihm zufolge braucht es einen initialen Glaubensakt, eine axiomatische Setzung, um danach ein rationales Verstehen der Wirklichkeit zu erlangen.

Ein Rationalist wird dieses Argument nicht akzeptieren. Er würde sagen: »Ich glaube nur, was ich sehen kann«, – womit er das Erkenntnismittel der Sinneswahrnehmung anspricht. Wenn man es nicht messen oder wiegen kann, existiert es nicht.

Die meisten heutigen WissenschaftlerInnen und PhilosophInnen sind in diesem Sinne Naturalisten, d. h. sie lehnen eine geistige oder spirituelle Ursache ab und reduzieren die Wirklichkeit auf die physische Ebene. Sie sind davon überzeugt, dass dies die einzigen stabilen Fakten sind, von denen man ausgehen kann. Ihre Schlussfolgerung ist, dass es ohne Körper keine Lebensfunktionen und auch keine Bewusstseinsfunktionen gibt. Eine immaterielle Seele ist per se innerhalb der von ihnen anerkannten Erkenntnismethoden nicht beweisbar. Und wie Ludwig Wittgenstein sagte: »Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.« Diese Gegenstände fallen bestenfalls in den Bereich der Mystik und sind nicht rational oder empirisch erklärbar.

In diese Bresche zwischen Atheismus und Religion springt der Buddhismus, der eine Spiritualität ohne Gott anbietet. Der Buddhismus ist sehr vielfältig und divers, d. h. es gibt viele Varianten, die sich teilweise sogar widersprechen können. Manche Linien gehen beispielsweise von der Existenz eines individuellen Selbst aus. Diese sind aber die Minderheit. Die Hauptschulen des Buddhismus sprechen als Gegenentwurf zum Hinduismus, der mit dem Wort »atman« die Seele, unsere ewige Existenz benennt, von »anatman«, dem Konzept, dass es keinen Atman8»Atman« und »Atma« bezeichnet das Gleiche. »Atman« ist die grammatikalische Grundform, »Atma« benutzt man, wenn das Wort im Satz als Nominativ steht., also keine Seele gibt. Nach der Lehre des Buddhismus ist alles dem »abhängigen Entstehen« unterworfen, d. h. es gibt keine echte Substanz, die irgendwie selbstexistent wäre, sondern alles ist die Folge von etwas anderem, eine endlose, kausale Kette der Abhängigkeit, die weder einen Anfang hat noch auf einen letztgültigen Ursprung zurückgeführt werden kann.

Mit dieser Konzeption ist der Buddhismus anschlussfähig an agnostische, atheistische und wissenschaftliche Positionen, denn auch in diesen wird die Existenz einer spirituellen Wesenheit, die nicht materiell beweisbar ist, abgelehnt. Der Buddhismus verbleibt mit seinen Überlegungen innerhalb der materiellen Kausalität und schlussfolgert, dass es jenseits davon nichts geben kann. Der Hinduismus hingegen akzeptiert die Existenz spiritueller Substanzen, des Atman und des Paramatman, die auch ohne materielle Träger existieren und ewig sind. Sie sind absolut, also losgelöst und nicht abhängig.

Die transrationale Integration von Wissenschaft und Spiritualität

Ein modernes und dem 21. Jahrhundert gemäßes Gottesbild müsste eine Integration von Wissenschaft und Spiritualität sein. Dies wäre eine höhere Syntheseebene der beiden sich widersprechenden epistemischen Paradigmen der Religion und der Wissenschaft. Man nennt diese Synthese in manchen Kreisen »transrational«. Das bedeutet, dass man die rationale Ebene der Wirklichkeit nicht ablehnt und zu Gunsten des Glaubens aufgibt (was dann »prärational« wäre), sondern beibehält und gleichzeitig die Existenz einer transzendenten Realität akzeptiert.

Damit wäre Anselm von Canterburys Diktum wieder aktuell. Die Idee ist tatsächlich nicht neu. Man findet sie in der einen oder anderen Form auch in alten Schriften, zum Beispiel in der Kabbala oder den Veden. Sie ist die eigentliche Struktur der Wirklichkeit, und jede vorurteilsfreie Suche nach Wahrheit sollte am Ende zu diesem Ergebnis kommen.

Gott als Idee ist eine axiomatische Setzung. Sie lässt sich nicht beweisen. Der rationale Erkenntnisvorgang führt allerdings zu wesentlich stimmigeren Ergebnissen, wenn man die Idee Gottes in der Argumentation zulässt. Ob das bloße Metaphysik ist oder dem rationalen Anspruch auf wissenschaftliche Fundiertheit gerecht wird, ist noch die Frage. Sicherlich wird es der rein rationalen Argumentationsstruktur nicht genügen. Aber diese ist in ihrem Erkenntnisvermögen sehr eingegrenzt und muss erweitert werden.

Die Kategorie Gottes wirkt in diesem Erkenntnisvorgang nicht als metaphysisches Subjekt, sondern vielmehr wie ein Katalysator. Wir wissen aus der Chemie, dass zwei Stoffe mitunter nur dann miteinander reagieren, wenn der Katalysator zugesetzt wird. Am Ende der Reaktion finden wir einen neuen Stoff und den Katalysator unverändert. Der Katalysator wird für das Ergebnis gebraucht, ist aber am Ende des Erkenntnisprozesses kein Bestandteil des Ergebnisses. Die Argumentation fußt somit nicht auf einem »deus ex machina«, einem Gott, der aus dem Nichts auftaucht, das handelnde Subjekt ist und das Problem löst. Aber man macht sehr wohl die Erfahrung, dass das Ergebnis stimmig ist und der Erkenntnisprozess gut funktioniert.

Wenn ich zum Beispiel als Mensch davon ausgehe, dass es einen Gott gibt, der über mir steht und das Geschehene lenkt, dann werde ich mich anderen Menschen gegenüber anders verhalten. Ich werde nicht versuchen, sie zu dominieren, sondern mich mit ihnen als gleichberechtigt erfahren. Es wird so mehr Liebe offenbart werden. Die zwischenmenschliche Beziehung wird nicht direkt von Gott dirigiert, aber die Gesamtrealität ist dann eine andere. Diese transzendenzoffene Wissenschaft führt nicht wie die immanente Wissenschaft zur Aporie, d. h. zum unlösbaren Widerspruch, sondern zu einem rundum stimmigen Ergebnis.

»Wir sind subjektive Wesen mit einem emotionalen und spirituellen Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und Verbundenheit.«

Unsere heutige gesellschaftliche Entwicklung ist eine Aporie. Wir haben Probleme im Sozialen, in der Umwelt, in der Wirtschaft, in der Politik, in der Religion, im Privaten. Wir haben so viele Widersprüche, dass wir fast daran zu Grunde gehen. Es kann also kaum jemand behaupten, dass die bisherigen Versuche der Welterklärung erfolgreich waren. Religion alleine oder die Wissenschaft alleine haben unsere Probleme nicht gelöst oder unser Leben als Menschheit und als planetare Gemeinschaft mit allen lebenden Wesen nicht zum vollen Erfolg geführt.

Es wäre somit an der Zeit, neue Wege zu finden und unser Verständnis des Ganzen zu erweitern. Der Gott des vorrationalen Zeitalters, der alte Mann mit Bart und erhobenem Zeigefinger, ist sicherlich nicht mehr zeitgemäß. Die Tötung Gottes, wie sie Friedrich Nietzsche programmatisch für die Moderne verkündete, hat den gewünschten positiven Effekt auch nicht unbedingt hervorgebracht. Wir stehen immer noch am Abgrund und sind vielleicht noch näher dran als zuvor.

 

Die Erfahrung Gottes

 

Gott, Göttin, das Göttliche existieren. Wir können sie in der Meditation und im praktischen Leben fühlen und erfahren. Es bedarf dazu eines initialen Glaubensaktes.

Der Aberglaube ist die prärationale Stufe und der Rationalismus ist eine vernünftige und realistische Herangehensweise an die Wirklichkeit. Der transrationale, integrale Glaubensakt, das Vertrauen in die Höhere Macht, indes ist eine zwingende Schlussfolgerung, die aus allen rationalen Überlegungen hervorgeht und die Widersprüche auflöst.

Der neue Glaube fußt nicht mehr auf den Vorgaben der Priesterschaft, sondern auf unserer eigenen spirituellen Erfahrung. »Das Recht auf einen Gott nach deinem eigenen Verständnis ist unbegrenzt und ohne Einschränkung. Weil wir dieses Recht haben, ist es notwendig, ehrlich mit unserem Glauben zu sein, um spirituell zu wachsen«9Narcotics Anonymous, Basic Text, Chatsworth USA, deutsche Ausgabe, o. Jahr, S. 32. Wir nehmen unsere eigenen spirituellen Erfahrungen als Grundlage. Dann können wir das Wirken Gottes auch als Menschen des 21. Jahrhunderts in unserem Leben erfahren.

Zum Autor

Ron Rathayatra

Ronald Engert, geb. 1961. 1982–88 Studium der Germanistik, Romanistik und Philosophie, 1994–96 Indologie und Religionswissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/M. 1994 Mitgründung der Zeitschrift Tattva Viveka, seit 1996 Herausgeber und Chefredakteur. 2015–23 Studium der Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2023 Masterabschluss zum Thema »Mystik der Sprache«. Autor von »Gut, dass es mich gibt. Tagebuch einer Genesung« (2012) und »Der absolute Ort. Philosophie des Subjekts« (2 Bände, 2014 und 2015). Blog: www.ronaldengert.com / Zeitschrift: www.tattva.de

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Bildnachweis: © Adobe Stockphoto / Ronald Engert by Midjourney

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